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Aus dem Alltag

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Der Bub geht in den Stall. Will zur Katze, die Junge bekommen hat. Schließt die Tür, weil er das so gelernt hat: die Türe zuzumachen hinter sich. Erschrickt, als er den Mann stehen sieht neben der Mistgabel.
Der Bub ist sieben Jahre alt.

Der Mann grinst. Sagt dem Buben, dass er still sein soll. Setzt eine Flasche an den Mund, trinkt, wirft sie ins Heu. Rülpst. Geht zum Buben, braucht nicht viele Schritte.
Der Bub ist sieben Jahre alt.

Der Mann riecht nach Schnaps und Zigaretten. Alles an ihm riecht nach Schnaps und Zigaretten. Sein Atem. Sein Hemd. Sogar sein Schweiß. Der Mann ist grob, sagt nicht viel.
Der Bub ist sieben Jahre alt.

Der Bub blutet. Er schämt sich. Schreit nicht. Will nicht weinen.
Weint still.

Der Bub schleicht ins Haus, schließt sich im Badezimmer ein. Blutet. Weint nicht mehr. Atmet jetzt ruhiger. Hört seine Mutter an die Türe klopfen. ‚Alles in Ordnung, Adrian?‘, fragt sie.
‚Ja‘, sagt der Bub.

Der Bub geht in den Stall. Schließt die Tür, weil er das so gelernt hat: die Türe zuzumachen hinter sich. Geht zur Katze, erschlägt sie.
Erschlägt dann die Jungen.

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