Shadow
- Februar 24, 2026
- by
- Niels Zubler
Er hiess Shadow. Tatsächlich hatte er ein schattengraues Fell, das ihm wohl seinen Namen gegeben hatte. Aber er bewegte sich auch wie ein Schatten. Manchmal streunte er durch unseren Weiler. Er trabte so leise und geschmeidig, dass wir oft nicht wussten, ob er es gewesen war oder ob unsere Wahrnehmung uns getäuscht hatte. Er gehörte dem Hirten, der in den Hügeln da draussen unsere Schafherde weidete. Er liess Shadow seine Freiheit, wenn er ihn nicht brauchte. Vielleicht war es auch so, dass der Hirt ihn nicht ständig um sich haben wollte.
Manchmal, wenn ich am...
party
- Februar 17, 2026
- by
- Michael Hammerschmid
unter leute getaucht
durch den raum die
worte die blicke vor-
bei gekratzt und an-
geeckt nicht da und
dort doch weiter-
gerudert durch den
plunder durchs dumpfe
gewatet an der blö-
digkeit beinahe ver-
blödet vierzehnmal
angesteckt fast ver-
brannt und an ver-
schiedenen stellen
innen und außen an-
gerannt dass es
schmerzt geblutet
hat geblitzt aber
gesammelt dabei
was zu wissen war
und jetzt bin ich da
bei dir....
Genau hinsehen
- Februar 10, 2026
- by
- Britta Mühlbauer
U6-Haltestelle Alser Straße. Mein Waggon bleibt vor einer Bank stehen, auf der ein Obdachloser sitzt. Ich erschrecke über seine Beine. Sie ruhen auf den Säcken mit seinen Habseligkeiten, knorrige Stämme, die in dichten Blattfächern enden. Ich denke an Aliens, Märchenwesen, die Vogelscheuche aus dem Zauberer von Oz. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich das...
Pflichtbewusst
- Februar 03, 2026
- by
- Martin Dragosits
sie haben nichts gewusst
bedingungslos gehorcht
nur ihre pflicht getan
sie haben denunziert
erniedrigt und gemordet
weil der führer
es ihnen befahl
sie sagen
sie hätten nichts getan
wofür sie sich
schämen müssten
sie taten nur ihre pflicht
und wenn du nicht aufpasst
werden sie sie wieder tun
Aus:
Martin Dragosits: Ausgewählte Gedichte: Podium Porträt 131,...
Göttliches
- Januar 27, 2026
- by
- Giorgis Fotopoulos
Im leuchtenden Schwarz unter treibendem Eis
den Nachtwolken gleich bin ich versunken in mir
und die Menschen an meinen Ufern regen sich kaum
als ahnten das Göttliche sie
während fern ihre Züge kreischend kreisen
kämpfend gegen den Tod
als wüssten sie nicht, dass sie das Göttliche sind
das leuchtende Schwarz unter treibendem Eis.
Aus:
Giorgis Fotopoulos:...





