Mit reinem Gewissen

Mit reinem Gewissen

Was fürchtest du? –
Dass die Menschen nur mehr eine Meinung kennen. Keine andere mehr dulden. –
Warum fürchtest du es? –
Weil der Kälte der Worte die Härte der Taten folgt. –
Wem misstraust du? –
Jenen, die ihrer Wahrheit blind vertrauen. Sie richten mit reinem Gewissen.

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Fernweh

Fernweh

Fortgehen. Abstand gewinnen. Neu beginnen. Wenn die Sehnsucht nach einem anderen Ort erwacht, dann will man nur noch fort. Ich wusste schon als Kind, dass ich einmal wegwollte. Wohin? Keine Ahnung. Warum? Ich konnte es nicht benennen. Hauptsache: Hinaus in die Welt!

In der Bibliothek meines Vaters stand eine ausgeblichene Weltkugel, montiert auf einem quietschenden Holzgestell....

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Chorprobe

Chorprobe

Und immer noch fehlt Agustín. Francesc, der zweite Tenor, reckt den Hals, spannt den Adamsapfel und intoniert: O Dale weid o Chochen, o tschone grune Bald, drängt nun mit dünner und länger werdender Kehle hinauf ins eingestrichene e und meint tremolierend: du meiner Lus und Wechen andacht‘cher Aufendal, lässt sich ins rettende g hinunterfallen, sein...

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Tradiert

Tradiert

Luisa war wütend. Einmal mehr hatte sie eine Absage erhalten. Und einmal mehr dachte sie, dass der Grund darin lag, dass sie eine Frau war. Genau genommen: eine junge. Als ob ihre Gebärfähigkeit ihre Qualifikation schmälerte [sie spie den Satz Sie könnte schwanger werden laut in die Stille der Wohnung hinein]. Als ob die Zufälligkeit...

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wir machen unsere Visite

wir machen unsere Visite

wir machen unsere Visite
in den Notaufnahmen dieser Stadt
unfreiwillig und immer am Wochenende
landen wir hier an
mit unseren Nöten im Nacken
dem gemeinsamen Alter jenseits der Achtzig
und einem Körper der zu uns spricht
über Wochen ausgeformt und doch
für uns noch ganz unverständlich
als Hoffnung die sich in den Fasern ausdehnt
oder...

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