Beiträge aus Gastbeiträge Kategorie
Die Stille im Auge des Sturms

Die Stille im Auge des Sturms

Nur noch Dankgebete möchte ich dir sagen, Gottvater im Himmel, du weißt es, bis zu meinem gnädigen Tod. So habe ich es mir vorgenommen. Damals.
Jetzt kommt er bald, ich spüre ihn schon. Und der gnädige Tod wird mich wieder zusammenführen mit allen, die ich verloren habe. Das erhoffe ich jedenfalls, darum bitte ich. Für sie, auch für sie brennt die Kerze im Herrgottswinkel.
Sei ihnen gnädig.

Stille

Die Knochen sind altgeworden und das Holz vor meinem Bett noch blanker und glänzender vom jahrelangen Knien.
Oder nein, das ist Selbstlob, vergib mir.
Aber daß deine alte Hofmännin, die...

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winters

winters

schnee bedeckte die schmutzige stadt
ein moment der unschuld
bis arglose männer
salz auf alte wunden streuten

Aus:
Rudolf Kraus: schuldgefühle allerorts, ein lesebuch (1975-2022), Wien: Verlagshaus Hernals, 2023.

Rudolf Kraus, * 25.9.1961 in Wiener Neustadt, NÖ.
Aufgewachsen in Bad Fischau-Brunn, lebt als Schriftsteller und Bibliothekar in Wien. Mitgliedschaften: Literaturkreis Podium, GAV, Ö.D.A. und AWA...

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Boulevardverdichtungen

Boulevardverdichtungen

Die Mehrfachbelastung Welt
ins Gras fallen lassen
etwas für sich selbst machen

Häng ich so zwischen
zeichnen und gezeichnet werden
sehr viel und nichts
Eine Dunkelheit als Raststation
Warten auf das Unerhörte

Reise
durch die Köpfe
beim Zuhören
… in ein lautes neues Glück

Körper fließen quer durch Häuser
verdichtete Gegend
neu interpretiert

Verschlafene Ikone...

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Ein Wintermorgen ohne Titel

Ein Wintermorgen ohne Titel

Der Himmel ist blau
wie Rabenflügel.
Sie sind blau.

Wie das blaue Gewand,
das Hrafnkell trug,
als er hinausritt, Einar zu suchen,
mit einer gut geschärften Axt
unter dem Hemd.

Amseln zwitschern
Stecknadelstiche in die Stille,
die hochweht
vom gleichmäßig gefallenen Schnee.

Auf der Stadt liegen
sechzehntausend Lichtjahre Schnee.

Die Amseln sitzen
in den Hufeisenspuren der Hengste.
Haben...

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Das Lächeln von Lesbos

Das Lächeln von Lesbos

Sie verstand meine Sprache nicht, ich verstand ihre nicht. Wir verständigten uns über Gesten und Fingerzeige. Zum Abschied: ein Lächeln, das fünfzehn und zugleich dreitausend Jahre alt war. So begrüsst Nausikaa am Strand der Phäaken Odysseus: „Fremdling, du scheinst weder schlecht noch töricht.“

Noch unveröffentlicht.

Wolfram Malte Fues, geb. 1944. Lyrik u.a. in „konzepte“, DAS...

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