Neue Tage
- Dezember 30, 2025
- by
- Lydia Steinbacher
Es ragt den Frauen und Männern unbeherrschbar aus der Hand
das Neuerworbene ist ungezähmt und wandelt seinen Zweck
nur ein Philister zittert an dem Übertritt zu neuen Tagen
Schon umgepflügt stößt dieses Feld den Schmerz von sich
wenn jetzt die Feder in die Städte leere Fluren schreibt
Zeit und Waffe ändern ihre Richtung mit den Bösewichten
Geraubter Glanz – was neu scheint trägt den Abdruck halber Leben
gedrückt in eine hohle Hand die Wünsche und das Sehnen
aufgefädelt mit den Wirbeln an einer langen Schnur
Das Zittern wenn nach jedem...
Das Schneidebrett oder Versuch über die Barmherzigkeit
- Dezember 23, 2025
- by
- Angelika Overath
Thessaloniki, Anfang Oktober 2023. Sie war so schön, dass es weh tat. Sie trug den weißen Frottee-Bademantel, den alle Stipendiaten auf ihrem Zimmer hatten, ihre schwarzen Locken waren noch feucht. Sie setzte sich an den Küchentisch. Sie schwieg, sah hinaus in den begrünten Innenhof. Wir Araber, sagte sie dann, sind doch auch Menschen. Jetzt...
Winterschlaf
- Dezember 16, 2025
- by
- Annette Hagemann
Schon im Schlaf sahen wir Folgendes: Morgen
würde die Sonne wie ein Riesenjuwel blitzen, wir
würden dann spazieren auf dem Raureif, dem guten,
alten Diamantteppich. Wenn uns dabei vereinzelt
Schneeflocken in die Augenwinkel flögen, würden wir
am Schmelzen unsere eigene Wärme erkennen und
im gleichen Moment daran denken, wie Orangen da
schmecken, wo sie...
Omama
- Dezember 09, 2025
- by
- Daniela Dangl
Wann begann das mit dem Vergessen? Als der letzte Märzschnee gefallen war und die abgetretenen Stufen den Windfang hinauf wieder zugedeckt hatte? Niemand mehr nahm den alten Reisigbesen in die Hand, um vor der Tür zu kehren. Keine Fußspuren in den Garten hinaus, weil auch niemand mehr neue Meisenringe in den Kirschbaum hängte. Du...
Das Unsagbare
- Dezember 02, 2025
- by
- Wolfgang Schiffer
Dass ich nachts von Fehlern träume, die ich
bei der Übersetzung eines Gedichts gemacht habe,
aus Flüchtigkeit oder aufgrund eines grundlegenden
Missverständnisses, das überrascht mich nicht mehr,
es ist Allnacht inzwischen wie Kaffeetrinken am Tag.
Dass ich nachts Gedichte träume, im Schlaf
oder Halbschlaf versuche, das Unsagbare
dennoch in Worte zu fassen, ist neu....





