sprudelndes Esogeplätscher: me in this world, in a jungle-like nutshell
- März 24, 2026
- by
- Isabella Breier
Wenn ein vages Urwaldgefühl so eindeutig tief geht,
dass man sich selbst nicht mehr spürt als „sich selbst“,
obwohl man dergleichen Beschreibungen hasst
wie die Pest und beulige furchige Phrasen,
hinter deren Esogeplätscher
man ja nicht mehr fünfzehn ist
oder neunzehn, von mir aus noch dreißig.
Wenn man in einem halb verfaulten Floß driftet,
über Jahre hinweg, die durch Wellentäler schaukeln,
wo das Glück halt ein Wort meint,
das man gebraucht,
während man meistens irgendwie Pech hat
und Not sieht oder Krokodile, ganz nahe am Ufer.
Wenn man sich dazu ermahnt,
weder im Sog des Bilds vom Fluss
oder im Klang der Strömung zu versinken
noch im konditionalen Gliedsatz fortzudümpeln,
an Dellen seines mehrfach gebrochenen Nebenarms
steckenzubleiben
respektive steckenbleiben zu sollen,
weil man vor lauter Gesprudel
samt Dschungelumgebung
die verdammten Schleusen nicht passierte
und mit flatternden Lidern
an jedem weiteren Hauptsatztor vorbeirauscht, wobei
– sobald man die von Sonnenbrillen geschützten Augen weit öffnet –
der Spalt dort, wo beim Floß nie ein Rumpf ist,
nun mit voll schönen Blumen geschmückt wird,
die die prächtigsten Blüten treiben,
an denen man vorsichtig riecht,
nur sehr kurz, dann etwas wilder,
was eine verzaubert, zu einer,
die wieder den Faden verliert, nein, je jede Fährte,
sogar gegen Dämmerung nimmer dran denkt,
dass sie nicht vorwärts kommt,
zu gar keinem Festland,
zu keinem nie richtigen Punkt.
Isabella Breier, *1976 in Gmünd/NÖ; aufgewachsen in Wels; je mit Auszeichnung absolviertes Diplomstudium (Philosophie und Germanistik) u. Doktoratsstudium (Philosophie) an der Universität Wien; zusätzlich ein paar Semester Soziologie; Mitarbeit bei sozialistischen und antifaschistischen Organisationen sowie feministischen Initiativen; 2000: Geburt ihrer Tochter Hannah Medea; 2005: Dissertation zu Cassirers „Philosophie der symbolischen Formen“ und Wittgensteins „Sprachspielbetrachtungen“; seit damals u.a. Lehrkraft für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache; regelmäßige Aufenthalte in Südmexiko; zahlreiche Veröffentlichungen (Lyrik, Prosa) in Literaturzeitschriften und Anthologien
Zuletzt erschienen: Grapefruits oder Vom großen Ganzen (Groteske), Wien: fabrik.transit 2022/2023; mir kommt die Hand der Stunde auf meiner Brust so ungelegen, dass ich im Lauf der Dinge beinah mein Herz verwechsle (Lyrikband in zwölf Kapiteln), Wien: fabrik.transit 2019; DesertLotusNest. Anmerkungen zur „Poetik des Phönix“, Weitra: Bibliothek der Provinz 2017
Ihr neues Buch Kosmo ist im März 2026 im Septime Verlag erschienen.
Isabella Breier
Gsindl- und Gfrastergedichte
Die Textrechte dieses Beitrags liegen bei Isabella Breier, die Bildrechte bei Doris Lipp.



