Seelen-Ruhe

Seelen-Ruhe

Er würde diesen Platz vermissen. Mehr noch als das Haus selbst? fragte er sich, biss sich auf die Unterlippe, starrte in die Dunkelheit, die jenseits der Scheibe hing. Er wusste die Antwort nicht. Was er wusste: dass er hier, an jener Stelle, an der die Terrassentür die Welt in ein Innen und Außen schied, einen Frieden verspürte, den er nirgends sonst empfand. Merkwürdig, dachte er: den Frieden hinter einer dreifach verglasten Fensterscheibe finden. Er schüttelte den Kopf, lächelte. Ein Tier huschte über die Terrasse, war schnell aus seinem Blickfeld verschwunden. Eine Maus wahrscheinlich, dachte er und erinnerte sich an den Dachs, den er vor Jahren gesehen hatte. Die Marderfamilie, die einen Sommer lang um sein Haus strich. Eine ganze Weile, dass er so stand, sich nicht regte, in die Nacht sah, bevor er den Arm ausstreckte, nach dem Lichtschalter griff. In der Helligkeit des Deckenlichts verschwand der Zauber, der den Ort umfing. Der Mann wandte sich um, stieg die Treppe hinauf, ging zu Bett. Es würde seine letzte Nacht in diesem Haus sein, er hatte es verkauft. Wo er Frieden finden konnte, hatte er also erfahren. Nun war es Zeit, weiterzuziehen.

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