Die Bäckerin
- Juni 23, 2026
- by
- Undine Materni
Es ist wie
Menschen machen
flüstert sie manchmal
morgens in der vierten Stunde
wenn der Tag ein oder
aus oder die Nacht abbricht und der
Schlaf auf blauen Sohlen davongeht
Wenn sie ihre Hände im Teig
versenkt ihn knetet schlägt oder
zärtlich zwischen den Fingern
hindurch quellen lässt
Dann formt sie Laibe
dunkle und helle
Flüstert Beschwörungen sagt
Hefesalzzuckerundmehl sagt
meine Kinder sagt meine
Freunde sagt du mein Liebes
ehe sie ihnen mit dem Messer
jenen kleinen Schmerz zufügt
der sie nach dem Backen
unverwechselbar macht
Jeden Tag ist es
lieben murmelt sie schlägt
das Mehl von den Händen
und die eiserne Ofentür zu
Jeden Tag ein
Kommen und Gehen
ein Her und ein Hin
Ein Hefesalzzuckerundmehl
Rosinenvanilleundzimt
Kakaobuttermandelundmohn
Und inmitten: eine kleine
rundliche Göttin die als einzigen
Schmuck Schweißperlen trägt
auf der Stirn
Aus:
Undine Materni & Ruth Habermehl: Manchmal ist es gut an roten Pfeffer zu denken, Gans Verlag, Berlin 2026
Undine Materni, geb. 1963, Chemiestudium, Forschungsingenieurin, Altenpflegerin, Mitherausgeberin der Zeitschrift reiterIn Dresden; 1990–93 Studium am Literaturinstitut Leipzig, Mitarbeit in der Medienwerkstatt Dresden; 1993 Geburt des Sohnes Jakob, Mitarbeiterin des Ausländerrates Dresden, freie Mitarbeit bei verschiedenen Zeitschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz; lebt und arbeitet als freie Dichterin, Erzählerin, Literaturkritikerin und Lektorin in Dresden und anderswo.
Letzte Veröffentlichungen:
Die Bewaffnung der Nachtigall, Tagebücher von Klaus Renft 1968–1997 (Hrsg. gemeinsam mit Heike Stephan) BuschFunk Verlag Berlin 2015
Herr Kästner, was kosten die Kondome? Der diskrete Versand der Firma Kästner in der DDR. (Hrsg. gemeinsam mit Jürgen Czytrich), Edition Sächsische Zeitung Dresden 2017
Wünschen und Wollen, Gedichte, Taulandverlag Köln 2018, 3. Auflage 2021
Das abwesende Haus meines Vaters. Ein Gedicht. Künstlerbuch mit Illustrationen von Udo Haufe, S. SagenhaphterVerlag, Dresden 2019
Friedas Himmelfahrt, eBook, mikrotext, Berlin 2021
Wieder ein Tag ohne Krieg, eBook, mikrotext, Berlin 2022
Sonnenblumen auf blauem Grund, eBook, mikrotext, Berlin 2023
Vom Folgen und Bleiben, Erzählungen, mikrotext, Berlin 2023
Verzeihen Sie dass ich spreche, Gedichte, make-up Presse, Ulm 2023
Manchmal ist es gut an roten Pfeffer zu denken, Gedichte von Handwerkerinnen, mit Collagen von Ruth Habermehl, Gans Verlag Berlin, 2026
Undine Materni
Ruth Habermehl
1969 geboren in Landau/Pfalz
1989 – 1996 Studium der Bildenden Kunst und Geographie an der Johannes Gutenberg Universität und Kunsthochschule Mainz
1997 – 1998 2-jähriger Arbeits-Aufenthalt in Guatemala
1999 – 2001 Referendariat in Halle/Saale, Zweites Staatsexamen
Studienreisen/-aufenthalte in Mittel- und Südamerika, Rumänien, Kerala/Indien und Kanada
Lehrtätigkeiten an der Dresdner Sommerakademie für Bildende Kunst und am Kunstpädagogischen Institut der Universität Leipzig, sowie Leitung von Collage Workshops
Zusammenarbeit mit Galerien, Kunstvereinen und Museen im In- und Ausland
Lebt seit 1999 als freischaffende Künstlerin in Leipzig
Ruth Habermehl
Die Textrechte dieses Beitrags liegen bei Undine Materni, die Bildrechte bei Ruth Habermehl.



