Abseits

Abseits

Es waren die Blicke. Sie vor allem. Die Köpfe, die sich einander zuwandten, die Flüsterstimmen hinter vorgehaltener Hand, sie gingen ihr nicht nahe. Nicht einmal die halblauten Worte, die, scheinbar ziellos in den Fahrgastraum einer Straßenbahn, eines Busses gestoßen, zweifellos ihr galten. Die Blicke aber, sie verletzten. Warum es so war, vielmehr: warum sie es so empfand, konnte sie nicht sagen, auch nach Jahren nicht. Vielleicht, dachte sie, ging es bloß ihr so. Vielleicht fühlten sich andere durch die Schärfe der Worte, die Kälte, die in den kleinen Gesten steckte, mehr verletzt. Sie wusste es nicht, tauschte sich nicht aus mit jenen, die ihr ähnlich waren. Darüber zu sprechen war ihr zuwider. Hin und wieder fragte sie sich, was es war, dass manche Menschen offenbar Lust daran fanden, sie zu beschämen. Sie fühlen zu lassen, dass sie nicht der Norm entsprach. Sie wusste, dass sie keine Antwort finden würde. Keine jedenfalls, die sie ertragen wollte. Als sie aufstand, zur Tür ging, den Haltegriff fasste, sah sie, aus Achtlosigkeit wohl, zur Seite. In den Augen des Kleinkinds, das sie anlächelte, lag eine Arglosigkeit, die sie zittern ließ.

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