Posts by Manfred Lipp
Labyrinth

Labyrinth

Manuel trat aus dem Haus mit dem grünen Gartenzaun und den himmelblauen Fensterläden, sah auf, zum Kirschbaum hin, der am Nachbargrund stand, schlug den Weg ein, der zum Friedhof führte. Er ging ohne Hast, blieb stehen, hie und da, um den Kater zu streicheln, der ihm entgegenlief, ihm eine Zeitlang folgte, bis er kehrtmachte, in...

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Begegnung

Begegnung

Im Schatten der kleinen Stunden trat ich ans Fenster, sah auf die Straße. Ich wollte rauchen, tat es nicht. Eine seltsame Unruhe hockte in mir; in meiner Seele hingen die Trümmer eines unfertigen Traums. Ich öffnete das Fenster, tat zwei tiefe Atemzüge. Die Nacht roch nach Schnee und fauligem Laub. Als ich den Kopf hob,...

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Wurzelstock

Wurzelstock

Am Birnbaum, der vorm Fenster steht, hockt eine Amsel, singt ihr Lied. Marie schaut auf, lächelt. Achtzehn Jahre, denkt sie. Achtzehn Jahre, dass dies ihr Zimmer war, nie hat sie anderswo gelebt. Und nun: das Studium, der Umzug in die nahe Stadt. Marie atmet langsam, atmet tief, greift nach dem Geodreieck, das vor ihr liegt,...

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Narr

Narr

An jenem Tag, zur Mittagsstunde, saß der Mann, der in Lumpen ging, auf den Stufen des Doms, besah die Menschen. Er war müde, fühlte sich schwach, saß allein. Es mochte Regen geben, dachte er, sah die Wolken, die sich träge über den Himmel schoben, den Wetterhahn, der selbstgewiss nach Osten wies. Waren da die zwei...

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Helbich

Helbich

Bodenlang. Bodenlang war das Kleid, das sie trug, als Helbich sie sah. Sie ging barfuß, wirkte verloren, wankte. Etwas stimmt nicht mit ihr, dachte Helbich, schalt sich gleich für diesen Gedanken. Eine Frau, Mitte zwanzig wohl, die barfuß geht, nachts. Es mochte gut sein, dass etwas nicht stimmte. Helbich trat näher, zur Parkbank hin, wo...

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