Reiterscharen und getunte Autos
- Oktober 21, 2025
- by
- Jürgen Brôcan
Inspiration erschöpft sich nicht, weil die Dinge für die Sinne nie aufhören. Einen Anfang hat sie dennoch – jedesmal. Über der Tür meines Arbeitszimmers hängen im schlichten Glasrahmen zwei (eigentlich sogar drei) verschiedene Porträts. Der Mann auf dem Büttenpapier links befindet sich im mittleren Alter; hinter der damals wohl relativ modischen Brille ist sein Blick in eine offene Zukunft gerichtet, selbstsicher, trotzdem ein wenig fragend, abwartend. Ihm über die Schulter schaut das eigene Kindergesicht, mit einer hohen Stirn, die die kühne Haartolle nicht verdecken kann. Die Photographie rechts im Glasrahmen zeigt denselben Mann...
Die letzte Insel
- Oktober 14, 2025
- by
- Gabrielle Alioth
Noch ist alles möglich, antworte ich Daniel, als er am Telefon fragt, ob ich mit dem Schreiben vorankomme. Aber natürlich stimmt das nicht. Es ist nur möglich, was ich mir vorstellen kann.
Du könntest eine Liste von Inseln machen, schlägt Daniel vor.
Island, Irland, Inis Meáin …
Auch von erfundenen.
Avalon, Brasil, Thule …...
Die Sprache der Möwen
- Oktober 07, 2025
- by
- Gyrðir Elíasson
Am Ende der Nacht sind die Berge von Raureif grau,
die Farbe des Meers ist so, als hätte man Schmierseife
hineingeschüttet. Ein feuerroter
Traktor kommt die Straße unterhalb
des Bergs entlang, das ist der einzige Ver-
kehr, das einzige Lebenszeichen,
zusammen mit zwei Möwen, die
am Strand stehen und sich unterhalten,
in einer Sprache,...
Narbe
- September 02, 2025
- by
- Sophie Reyer
Geh ans Ende
um es zu Ende zu
fürchten
nur was man
verliert wird
nahe
Narbe
Sophie Reyer, geboren 1984 in Wien, lebt in Wien. Publikationen u.a.: “geh dichte” (Lyrik, EYE-Verlag 2005), ”vertrocknete vögel” (Roman, Leykam 2008), “baby blue eyes” (Roman, Ritter 2008), “binnen” (Lyrik, Leykam 2010), „flug (spuren)“...
Geographischer Druck
- August 26, 2025
- by
- Marcus Hammerschmitt
Natürlich ist es das goldene Licht, das die küstennahe Kleinstadt noch näher an die Küste heranrückt. Es steigt aus den Sandwegen auf, es geht in sie zurück, wie eine warme Klarheit aus Messing. Man sagt mir: „Völlig normal Ende August, Anfang September, diese lokale Drift, jeder spürt sie, jeder mag sie, warum bist du...





