Ich mich
- November 18, 2025
- by
- J. Monika Walther
Wieder ist ein Tag vorbei. Ich habe nicht gemerkt, dass die Sonne untergeht. Der Tag vergangen ist. Die Läden schließen. Die Leute fahren von der Arbeit nach Hause. Ich war aufgestanden, hatte einen Kaffee getrunken, hatte zugesehen, wie die Händlerin von gegenüber die gelieferten Waren in ihren Laden räumte. Obst, Gemüse, Kühlkisten mit Milch und Joghurt. Bierkisten. Wie Leute von ihren Fahrrädern stiegen und vor dem Laden redeten. Der ist gestorben und dort hat die Scheune gebrannt. Wie Arbeiter sich Kaffee, Brötchen und Frikadellen holten, sich in ihre Laster und Autos setzten und...
Keiner da
- November 11, 2025
- by
- Eva Adelbrecht
Der Keil ist ein gutes Zeichen. Wenn der Keil unter der Eingangstür im Erdgeschoß steckt, ist die Wohnung oben wahrscheinlich leer. Es kann allerdings auch bedeuten, dass der Vater beim Heimkommen zu betrunken war, um daran zu denken. Also kein sicheres Zeichen. Leo blickt auf seine Füße, die in zerlatschten Birkenstockschlapfen stecken, getragen in...
Die singende Sophie
- November 04, 2025
- by
- Sabine Göttel
Ich war zehn Jahre alt, als ich zu Weihnachten endlich eine sprechende Puppe bekam. Ich nannte sie Sophie. Meinen neuen Kameradinnen vom Gymnasium erzählte ich nichts von Sophie, denn für eine große Puppe war ich eigentlich schon viel zu alt. Mit zehn wollte man in der Schule neben Jungs sitzen und schwärmte für die...
Mein Wolf
- Oktober 28, 2025
- by
- Jane Wels
Mein Wolf
heult sich durch kulturelle Codes,
das Fell gesträubt
von den Endlosschleifen der
Erwartungsbrüche.
Mein Wolf
wittert Geniekult und Prekariat,
bleckt die Zähne
vor den Ausschlusskriterien der Selektionsmaschinerie.
Mein Wolf
läuft aus dem hungrigen Rudel,
das einen mimetischen Kreis um sich selbst zieht,
und schreibt sich in leere Felder.
Noch heute will ich...
Reiterscharen und getunte Autos
- Oktober 21, 2025
- by
- Jürgen Brôcan
Inspiration erschöpft sich nicht, weil die Dinge für die Sinne nie aufhören. Einen Anfang hat sie dennoch – jedesmal. Über der Tür meines Arbeitszimmers hängen im schlichten Glasrahmen zwei (eigentlich sogar drei) verschiedene Porträts. Der Mann auf dem Büttenpapier links befindet sich im mittleren Alter; hinter der damals wohl relativ modischen Brille ist sein...





