Die üblichen Gründe

Die üblichen Gründe

War der Krieg auch nicht erwartet worden, überraschend kam er nicht. Eines Sommermorgens brach er los, mit Panzerlärm und Stahlgewittern, ergoss sich ins Nachbarland, hüllte sich dreist ins Tarngewand der Notwendigkeit. Die Köpfe der Menschen waren zu dem Zeitpunkt, da der Hass in Gewalt umschlug, längst bereit gewesen, nun folgten auch die Beine. In die Fremde, so hieß es, zog man, um sich vom Fremden zu befreien; es war dies eine Logik, der nur die Einfältigen und die Verblendeten Glauben schenken konnten. Sie aber waren, wie zu allen Zeiten, schamlos in der Überzahl.

Seit Jahren schon schwelte die Glut der Angst in den Seelen der Menschen, und jene, die nach einer Freiheit schrien, die im Grunde nur die ihre war, schürten eifrig das Feuer der Missgunst. Die Welt, sagten sie [und die Simplen glaubten es] war zu komplex geworden, und jene, die über Weitblick verfügten, galten dem Volk bald als zaghaft und schwach. Die Zeit war wieder gekommen, da die einfachen Lösungen die reizvollsten waren, und die Früchte des Zorns fielen reif vom Baum der Torheit.

So wurden die Schlächter zu Führern gemacht.

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