Medi & Zini
- Juni 30, 2026
- by
- Moritz Heger
Klar ist diese Aufzuchtstation wichtig. In freier Wildbahn vermehren sie sich ja nicht mehr gescheit! Die Gründe? Da tappen wir ehrlich gesagt ziemlich im Dunkeln. Manchmal glaube ich fast, es ist der reine Mutwillen. Sie müssen ja nicht mehr wirklich. Gibt ja jetzt uns. Da sind sie sozusagen in einen wilden Streik getreten… (lacht) Aber ist echt niedlich, so ein Löwenbaby mit der Flasche aufzuziehen. Klar ist Bindung ein Thema. Total. Bloß nicht zu sehr die Mama spielen! Wir machen sie dann ja auch fit für die Auswilderung, ist jedenfalls das Ziel. Wir trainieren das regelrecht. Und wenn dann der große Tag kommt und das Tor aufgeht: Stürzen sie auch alle brav los in die Freiheit. Alles rennet, rettet, flüchtet… Manchmal überkugelt sich so ein junger Gepard gleich mal vor lauter Freude. Das Problem ist nur, sie schaffen’s nicht. Werden schon in der ersten Nacht niedergemacht. Durchbissene Kehlen. Da blutet einem das Herz. Wissen Sie, was ich glaube? Für unsere Schützlinge ist das ne Art Olympia – also jetzt nicht im Sinne von: Dabei sein ist alles – sondern sozusagen der Endlauf. Die jagen los, sag ich Ihnen. Als ginge es drum, Erster zu sein. Klar können sie dann bald nicht mehr, und wir haben das natürlich auch nicht mehr im Blick, wir gehen ja nicht gleich hinterher und schauen nach dem Rechten, das wäre gegen das Programm. Du musst sie springen lassen. Aber dann liegen sie irgendwo im hohen Gras, stell ich mir vor, japsend, mit pumpenden Flanken. Wenn sie sich nicht gleich auf den Rücken werfen. Weil sie denken, jetzt kommt wer loben und krault sie am Bauch. Aber was kommt, ist nur ein schlaues Alttier. Das hat sich die ganze Veranstaltung bequem aus der Deckung angeschaut. Eine Hyäne zum Beispiel, das ist ja unwahrscheinlich, die Beißkraft von denen. Oder sogar eins derselben Art. Ausgefuchster Alphalöwe. Beißt einmal zu, und das war’s. Im Grunde ist Natur ein anderes Wort für Gemeinheit, darf man aber nicht laut sagen, wir hängen ja am Spendentropf, apropos, soll ich den Kleinen nochmal hochnehmen, der knabbert so süß am Finger. Heißt übrigens Karlemann. Dürfen wir eigentlich nicht, Namen geben, dürfen Sie also nicht schreiben. Aber Ihnen kommt’s doch eh nur auf die Bilder an, nicht wahr? Für wen arbeiten Sie eigentlich? Ach ja, Medi & Zini, gibt’s das noch? Deshalb bin ich das geworden, was ich geworden bin, wegen Medi & Zini. Das können Sie ruhig schreiben.
Moritz Heger lebt in Stuttgart
und freut sich, ab 28.9.26 mit dem Stuttgarter Schriftstellerhaus endlich wieder ein großes Event veranstalten zu dürfen:
„Stuttgart schreibt: Fiese Krise – Und die Literatur?“
Letzte Romane:
„Aus der Mitte des Sees“, 2021
„Die Zeit der Zikaden“, 2024
beide bei Diogenes
Moritz Heger
Die Textrechte dieses Beitrags liegen bei Moritz Heger, die Bildrechte bei Doris Lipp.



