Schiffbruch

Schiffbruch

Ich komme zurecht, sagtest du, lachtest. Ich nickte, blieb stumm, sah die Enttäuschung, die müde in deinen Augen hing. Die Wut auch, die du dir nicht eingestehen, von der du nichts wissen wolltest. Dein Lachen ertrank bald in bleiernem Schweigen. Er war ein Filou, ein Schlitzohr, ein Gauner, immer schon! wollte ich schreien. Wer hätte...

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Ein Wintermorgen ohne Titel

Ein Wintermorgen ohne Titel

Der Himmel ist blau
wie Rabenflügel.
Sie sind blau.

Wie das blaue Gewand,
das Hrafnkell trug,
als er hinausritt, Einar zu suchen,
mit einer gut geschärften Axt
unter dem Hemd.

Amseln zwitschern
Stecknadelstiche in die Stille,
die hochweht
vom gleichmäßig gefallenen Schnee.

Auf der Stadt liegen
sechzehntausend Lichtjahre Schnee.

Die Amseln sitzen
in den Hufeisenspuren der Hengste.
Haben...

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Labyrinth

Labyrinth

Manuel trat aus dem Haus mit dem grünen Gartenzaun und den himmelblauen Fensterläden, sah auf, zum Kirschbaum hin, der am Nachbargrund stand, schlug den Weg ein, der zum Friedhof führte. Er ging ohne Hast, blieb stehen, hie und da, um den Kater zu streicheln, der ihm entgegenlief, ihm eine Zeitlang folgte, bis er kehrtmachte, in...

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Das Lächeln von Lesbos

Das Lächeln von Lesbos

Sie verstand meine Sprache nicht, ich verstand ihre nicht. Wir verständigten uns über Gesten und Fingerzeige. Zum Abschied: ein Lächeln, das fünfzehn und zugleich dreitausend Jahre alt war. So begrüsst Nausikaa am Strand der Phäaken Odysseus: „Fremdling, du scheinst weder schlecht noch töricht.“

Noch unveröffentlicht.

Wolfram Malte Fues, geb. 1944. Lyrik u.a. in „konzepte“, DAS...

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Begegnung

Begegnung

Im Schatten der kleinen Stunden trat ich ans Fenster, sah auf die Straße. Ich wollte rauchen, tat es nicht. Eine seltsame Unruhe hockte in mir; in meiner Seele hingen die Trümmer eines unfertigen Traums. Ich öffnete das Fenster, tat zwei tiefe Atemzüge. Die Nacht roch nach Schnee und fauligem Laub. Als ich den Kopf hob,...

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