Unbeschwert

Aus dem Alltag

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Vorbei am Bildstock, diesem Fingerzeig Gottes, der rechts der Straße stand und mit steinerner Gelassenheit Frömmigkeit einmahnte. Dann der Nussbaum, der seinen Schatten warf auf einen ausgedienten Leiterwagen, der Hochsitz, der sein schiefes Dach trug wie ein Barett. Mit kräftigen Tritten kamen wir voran, sahen Hasen und Rebhühner den Weg queren, hörten das Lied, das der Wind sang, fuhr er durch die Speichen der Räder. Es klang uns nach Freiheit und Weite.

Kamen wir zum Bach, fuhren über die Brücke, bogen ein in den Feldweg, der ein Stück dem Bachlauf folgte, bis wir dort, wo die drei Weiden standen, von den Rädern stiegen. War es Frühling, nahmen wir ein Messer zur Hand und einen Stein, schnitten Zweige von den Bäumen, klopften das Holz, schnitzten eine Pfeife, auf der wir spielten bis der erste nach einem dürren Ast griff, der ihn in einen Ritter verwandelte, in Robin Hood oder Zorro. Hinter den Weiden die lange Gerade, deren Gefälle nach einem Wettkampf schrie. Kraft, Taktik, Geschick, Glück auch forderte das Rennen und nicht selten, dass einer die Balance verlor, er ein Schlagloch übersah oder das Vorderrad wegrutschte auf einem Stein, der einen Deut bloß zu weit links lag oder rechts. Kaum einer, der ohne blutige Knie, aufgeschürfte Ellenbogen durchs Jahr kam, niemand, der sich ernsthaft je verletzte.

Schließlich der Bahndamm, der die Landschaft zerschnitt in ein Hier und ein Dort. Das strenge Gebot der Eltern missachtend, schlichen wir auf die Gleise, hüpften von Schwelle zu Schwelle, misstrauten den Fahrplänen, die wir bald kannten, lernten, die Sprache des Stahls zu deuten. Kam dann ein Zug, legte einer einen Groschen auf die Schienen, las ihn wieder auf, als der Lärm sich gelegt hatte, trug ihn nach Hause, zeigte ihn stolz in der Schule. Die Eltern sahen ihn nicht.

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