Ab-Scheu
- Oktober 09, 2026
- by
- Manfred Lipp
Dem Menschen mangelt es an vielem, dachte Schumann; aber Fantasie entbehrt er am meisten. Jakob Schumann, Hobbyläufer, Vielleser, Requisiteur in Ruhe, schüttelte den Kopf, stieg in den Bus. Einmal mehr, ein schmerzliches Mal mehr, hatte er hinnehmen müssen, dass ein vertrautes Gespräch unter Freunden in der Sackgasse der Sorglosigkeit verging. Wie oft, fragte er sich, geschah es schon, dass ihm ein heiteres ‚Das kann ich mir nicht vorstellen!‘ den Wind aus den Segeln nahm und ihn dem Verdacht der Kleinmut preisgab? Er musste lächeln, unwillkürlich wohl und keineswegs gewollt. Warum sahen sie nicht, was möglich war? fragte er sich. Weshalb scheuten sie den Blick auf das, was jenseits ihres Glaubens lag? Machte es ihnen derart Angst, dass sie das Schauen bleiben ließen? Oder nahm er selbst die Welt anders wahr, sorgte sich zu sehr? Schumann lehnte sich zurück, schloss die Augen. Der rot-weiße Bus trug ihn und seine grauen Fragen behaglich durch die Straßen einer sonnenhellen Stadt.



