Abseits

Aus dem Alltag

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War da der Bub, der schon als Knirps ein Brillenträger war. Der still ertrug, dass ihm der Sport zur Qual geriet, weil die Brille im Spind bleiben musste, das Geld gefehlt hat für Ersatz. Für den das Fußballspiel kaum mehr war als schwammige Konturen, ein Chaos aus bunten Trikots und wirbelnden Beinen.

Zweimal, dass er nicht dastand als Letzter, nachdem die Kameraden ihre Wahl getroffen hatten, ein Übriggebliebener, der sich in Ruhe noch die Schuhe binden konnte, wenn die anderen längst Aufstellung nahmen um den Mittelkreis oder unterwegs waren Richtung Tor. Nie hat einer ein Wort verloren, war ihre Anzahl ungerade, ein leises Murren aber kam auf, war sie es nicht.

Schwer war es, die Mitspieler zu erkennen, standen sie nicht nah genug. Und standen sie nah genug, dann gelang ihm der Pass nicht, traf er den Ball nicht richtig, riss er ihm ab über dem Rist, kullerte ins Out oder blieb an einem Grasbüschel hängen. Einmal, dass ihm einer zugerufen hat: zu mir! und er ihm den Ball hingeschoben hat, zögerlich zwar, aber es gelang, und Sekunden gebraucht hat, bevor er begriff, dass es ein Gegenspieler war. Kein Schmähruf konnte lauter sein als das stumme Kopfschütteln der anderen.

Jener Tag aber, an dem ihm der Ball vor die Füße fiel und er nichts Besseres mit ihm anzufangen wusste als aufs gegnerische Tor zuzulaufen und ihn mit Wucht in der linken unteren Ecke zu versenken, so schnell und konzentriert, dass er die überraschten Gesichter der beiden Verteidiger nicht sah, war ihm genug, hatte ihm gereicht, ihn mit der Kindheit zu versöhnen.

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