Am Ende des Tags

Gastbeiträge

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Am Ende des Tags
geht die Sonne unter,
nur kurz bäumt sie sich noch einmal auf
hinter einem tiefen Wolkenband,
dann versinkt sie, hellblutig,
als würde sie schreien wollen vor Schmerz.

Ob die Nacht der Erde Linderung bringt,
wissen nur die Sterne, die hier und da
zu sehen sind. Ich stehe am Rande eines Felds,
warte in der aufkommenden Dunkelheit
auf weißen Schnee, der sich wie ein Pflaster
auf die Äcker legt, und frage mich, warum
nicht das eigene Gewicht mich in die Tiefe treibt.

Wolfgang Schiffer, geboren 1946 in Nettetal/Niederrhein, lebt in Köln und Prag. Er arbeitet als Übersetzer aus dem Isländischen sowie als Herausgeber und schreibt Prosa und Lyrik. Zuletzt erschienen sein Gedichtband „Dass die Erde einen Buckel werfe“ (ELIF Verlag 2022), die Anthologie „Türschwellenkinder – Über die Arbeit der Eltern“ (Hrsg. zus. m. Dinçer Güçyeter, ELIF Verlag 2023) sowie die Übersetzung „Lose Blätter“ von Ragnar Helgi Ólafsson (zus. m. Jón Thor Gíslason, ELIF Verlag 2023). Er erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen, u. a. 1991 das Ritterkreuz des Isländischen Falkenordens und 1994 den Isländischen Kulturpreis für seine Verdienste um die Vermittlung isländischer Literatur und Kultur.
Wolfgang Schiffer

Gemeinsam mit Jón Thor Gíslason gestaltet er die Reihe Wortlaut Island in der Online-Literaturzeitschrift Signaturen-Magazin, die zweimal im Monat Übersetzungen zeitgenössischer Lyrik aus Island vorstellt.

Die Textrechte dieses Beitrags liegen bei Wolfgang Schiffer, die Bildrechte bei Doris Lipp.

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