Hinterher
- August 14, 2026
- by
- Manfred Lipp
Ich habe doch niemanden mehr, sagt Mutter. –
Bin ich niemand? frage ich. –
Du bist nie hier, meint sie. Du lebst so weit weg. –
Kinder werden erwachsen, antworte ich. Sie ziehen fort. –
Ich weiß, flüstert Mutter. Ich mache dir keinen Vorwurf. –
Ich schweige, beiße mir auf die Unterlippe, halte das Telefon weg von mir. Es klingt wie einer, sage ich schließlich. –
Ich meine es nicht so, sagt sie. Wirklich nicht. Aber ich will nicht lügen. Das Alter macht einsam. –
Warum unternimmst du nichts mit Freunden? will ich...
Zweimal
- August 07, 2026
- by
- Manfred Lipp
Mein lieber Vater. Ich sitze an Deinem Schreibtisch und sortiere die losen Enden Deines gewesenen Lebens. Schwierig ist es nicht, denn die Ordnung, die Du immer gehalten hast, wirkt über Deinen Tod hinaus und Du sollst wissen, dass ich Dir dafür dankbar bin. Im Haus ist es still geworden; sein Puls ist nun, da...
Nicht schlimm, oder?
- Juli 24, 2026
- by
- Manfred Lipp
Was ist, wenn man tot ist, Papa? –
Ich weiß es nicht, Alma. –
Sind die Toten dann traurig? –
Die Toten? Eine Weile vielleicht. Nicht lange. –
Warum sind sie traurig? –
Weil sie dann wissen, was sie im Leben versäumt haben. –
Ist Opa jetzt auch traurig, Papa? –
Ich glaube nicht,...
Wege, getrennte
- Juli 17, 2026
- by
- Manfred Lipp
Das Haus kennt mich nicht mehr. Dreimal schon bin ich am Zaun entlanggegangen, habe meine Schritte verlangsamt, zu den Fenstern im Obergeschoß geschaut und zur Terrassentür, die geschlossen ist. Jedes Mal habe ich überlegt, stehen zu bleiben, habe es sein lassen, war zu feige. Es ist nicht mehr mein Haus, sage ich mir. Ich...
Umkehr-Schluss
- Juli 03, 2026
- by
- Manfred Lipp
Wann, fragte er sich, hatte sich die Welt gegen ihn gewendet? Sie schien ihm doch ein freundlicher Ort zu sein, all die Jahre der Kindheit über, auch der Jugend, ja, selbst den größten Teil seiner Studienzeit, die ihm durchaus behagte. Ein Ort, der ihm stets die Gewissheit gab, jenen Platz in ihr zu finden,...





