zitronenzesten
- Juli 01, 2025
- by
- Johanna Hansen
im frühjahr lerchen ein laken im koffer
am morgen diese landschaft aus träumen
turbulenzen. abgeworfene episoden des schlafs.
die einspielungen der nacht mischen sich unter die
alltägliche annäherung ans aufstehen. sichsorgen.
an einwände. aufbrüche. im gedächtnis hängt
der horizont. halb messlatte. halb im freien
somewhere over the rainbow. leerlauf ist eine
zeile im stillen. meine stimme ein kopfsprung ins
meer. dann fortbleiben. und rücken an rücken mit
zukünftigen notizen den blick von sich abwenden.
blau ist eine vage richtung und schmeckt erst unter
der dusche nach zitronenzesten und heller nach dir
Johanna...
Rauchkringel
- Juni 24, 2025
- by
- Walle Sayer
Leidensgenosse,
sitzt im Flügelhemd
auf dem Rollator,
im Vorhof der Klinik
in der Abendsonne,
seiner Wolke Oxycodon,
und inhaliert ein paar
laue, tiefstille Züge,
die Schläuche am Zugang zum Hals
baumeln in ihrem Farbschillern,
schillern wie ein Indianerschmuck.
Für Alex Martin.
Noch unveröffentlicht.
Walle (Walter-Hermann) Sayer, 1960 geboren. Kindheit und Jugend im Schatten...
Pendler
- Juni 17, 2025
- by
- Moritz Heger
Auf der Abfahrt hinunter in den Kessel staut es sich, wie jeden Morgen. Aber es ist kein echter Stau. Echte Staus erlebt man selten. Vollsperrungen. Nächtelanger Stillstand, wo nichts mehr geht. Eingeschneit sein, mit heißem Tee versorgt werden. Das hier ist der übliche stockende Verkehr, von dem die Welt voll ist. In Stuttgart bauen...
wolkennesttauglich
- Juni 10, 2025
- by
- Isabella Breier
einem Sonnenbogen ins Flimmernetz gegangen
einer Regenhymne auf den Dunst gesprungen
und jubelnd durch Wolken getrudelt
an deren klebrigem Weiß
ist meine Weste hängengeblieben
an den zerfransten Rändern
hat sich ein Herzstück verhakt
in dem stünd
Punkt für Punkt
– was Welt wär
– wer ich wär
– wo Zeit wär
–...
Das Vermächtnis
- Juni 03, 2025
- by
- Christa Prameshuber
Im Jahr 1995 schrieb meine damals 80-jährige Großtante Mali in einem Brief:
„Heute, da ich bereits so alt bin und möglicherweise objektiver zu sein vermag, würde es mir Freude bereiten, mit der jungen Generation noch einmal über unsere Vergangenheit zu sprechen. Sie wird weitgehend verdrängt oder verfälscht und darf daher niemals in Vergessenheit geraten.“





