Beiträge aus Gastbeiträge Kategorie
Die Sprache der Möwen

Die Sprache der Möwen

Am Ende der Nacht sind die Berge von Raureif grau,
die Farbe des Meers ist so, als hätte man Schmierseife
hineingeschüttet. Ein feuerroter
Traktor kommt die Straße unterhalb
des Bergs entlang, das ist der einzige Ver-
kehr, das einzige Lebenszeichen,
zusammen mit zwei Möwen, die
am Strand stehen und sich unterhalten,
in einer Sprache, die keiner versteht
außer sie selbst und dem Meer,
das alles versteht

sogar mich

Aus:
Gyrðir Elíasson: Die Sprache der Möwen.
Aus dem Isländischen übertragen von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer.
Der zweisprachig edierte Band erschien im Oktober 2025 im ELIF...

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Narbe

Narbe

Geh ans Ende
um es zu Ende zu
fürchten

nur was man
verliert wird

nahe

Narbe

Sophie Reyer, geboren 1984 in Wien, lebt in Wien. Publikationen u.a.: “geh dichte” (Lyrik, EYE-Verlag 2005), ”vertrocknete vögel” (Roman, Leykam 2008), “baby blue eyes” (Roman, Ritter 2008), “binnen” (Lyrik, Leykam 2010), „flug (spuren)“...

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Geographischer Druck

Geographischer Druck

Natürlich ist es das goldene Licht, das die küstennahe Kleinstadt noch näher an die Küste heranrückt. Es steigt aus den Sandwegen auf, es geht in sie zurück, wie eine warme Klarheit aus Messing. Man sagt mir: „Völlig normal Ende August, Anfang September, diese lokale Drift, jeder spürt sie, jeder mag sie, warum bist du...

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Unsere Ferien, das war Heuen!

Unsere Ferien, das war Heuen!

«Das ist jetzt nicht wahr!», rief Mutter Giacomina. Und Vater Nical schluckte: Nach den Töchtern Mengia (1952), Madlaina (1955), Aita (1957) hatte Giacomina kurz vor Silvester 1958 ihr viertes Mädchen zur Welt gebracht. Corina war gesund und munter.

Wir sitzen in der Arvenstube ihres Elternhauses im Senter Ortsteil Curtin. Ihre Mutter Giacomina, erzählt Corina,...

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großmutter

großmutter

die jahre nach dem krieg
waren karg und entbehrungsreich
ein stück zucker
der himmel auf erden

die jahre während des krieges
waren grau und voller erinnerungen
blasse bilder und der wunsch
zu vergessen

in den siebzigern
kam farbe ins harte leben
ein kleiner garten im piestingtal
wo dille majoran und bohnen
prächtig gediehen

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