Ein schöner Heimatroman

Aus dem Alltag

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Es müsste ja viel mehr über die heile Welt geschrieben werden. Weil das geht einem schon auf die Nerven auch, wenn überall, wo man reinschaut, nur Probleme auftauchen. Da schaut man am besten gleich gar nimmer hin, man könnt‘ ja ganz narrisch werden sonst, meiner Seel‘. Und wo könnt‘ die Welt schon heiler sein als am Land, wo’s zwar den Greißler und den Fleischhauer nimmer gibt, weil man dann doch lieber beim Supermarkt einkaufen war, aber die Leut‘ immer noch heißen wie du und ich, also Freudenthaler und Siebenhandl oder von mir aus auch Vejvoda und Rebernig. Wo die Menschen noch grüßen können, die Alten nicht ganz allein in einer kleinen Wohnung sterben und die Burschen noch wissen, wie man auf einen Maibaum kraxelt. Die Petra Piuk, die hat das schon richtig erkannt: was es endlich braucht, ist ein schöner Heimatroman.
Ganz dringend sogar.

In Schöngraben an der Rauscher ist die Welt noch in Ordnung. Dort leben nur Menschen, die da auch hingehören und alles ist gesund. Die Luft ist gesund, das Essen ist gesund, die Watschen sind gesund. Der Papa hat die Mama lieb, der Opa die Oma, der Lois das neue Kalb und der Pfarrer die ganze Gemeinde. Gut, der Papa hat vielleicht auch noch die Anna lieb und die Hilde, aber das ist ja auch irgendwie schön, wenn man so ein großes Herz hat.
Ja, Schöngraben an der Rauscher ist das pure Idyll. Im Frühjahr blühen die Osterglocken, im Sommer läuten die Hochzeitsglocken und im Winter hängen die Rotzglocken, dass es nur so eine Freude ist. Sie sehen, die Frau Schriftstellerin hat sich wirklich Mühe gegeben. Wir können auch bezeugen: es ist tatsächlich ein schöner Heimatroman geworden. Und spannend ist er auch als wie. Das ist nicht wie bei einem Film von der Rosamunde Pilcher, dass du nach sieben Minuten schon weißt: der junge Lord mit dem flotten Sportwagen kriegt die Dunkelhaarige und die Blonde ist eine dumme Gans, die nur sein Geld will. Weil auch in einem schönen Heimatroman gibt’s natürlich Sachen, die jetzt nicht ganz so schön sind, von wegen Spannungsaufbau und so. Aber da müssen sie halt durch, unsere Helden und Heldinnen, weil: in guten und in schlechten Zeiten. Und bis dass der Tod uns scheidet.
Aber was bei einem schönen Heimatroman gewiss ist: am Ende kriegt er sie. Der Toni die Moni.

Ein Städter versteht das ja gar nicht. Dass die Gemeinschaft wichtig ist am Land, die Traditionen und der Bierkrug hochgehalten werden müssen und das Schnitzel mit Erdäpfelsalat beim Kirchenwirten besser schmeckt als anderswo. Dass die Bundeshymne ganz gut auch ohne die Töchter auskommt, weil die Töchter hier schon wissen, wo ihr Platz ist. Dass der Grenzstein zum Nachbaracker Beine kriegen kann. Dass sich nicht immer alles so schnell ändern muss, weil wozu soll das gut sein? Und was man dann noch braucht wie eine Sau eine Blasenentzündung: dass sich die Städter wieder lustig machen übers Land. Obwohl sie keine Ahnung haben, wie das ist: dort leben.
Ja, die Frau Schriftstellerin, die hat schon eine Ahnung davon. Die ist am Land aufgewachsen. Die weiß auch, wie man sowas macht: einen schönen Heimatroman schreiben. Wo man den Hansi Hinterseer schon singen hören kann, wenn man den Buchdeckel aufklappt, oder von mir aus auch ‚Rehbraune Augen hat mein Schatz‘, ja was weiß ich. Wo die jungen Mädchen nur Augen für die feschen Burschen aus dem Dorf haben und die Alten willig dafür sorgen, dass der Kirchenwirt nicht auch noch zusperren muss. Wo die Welt noch heil ist und alles Lasterhafte penibel totgeschwiegen wird.

Kaufen. Lesen. Losbrüllen vor Lachen. Und sich winden, wenn’s wehtut. Manchmal. Mutig sein. Und wieder lachen.
Petra Piuk. Toni und Moni. Verlag Kremayr & Scheriau.
Und nein, ich krieg‘ kein Geld dafür. Ist einfach nur ein grandioses Buch.
Petra Piuk

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