Eine Jagd

Gastbeiträge

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Kommt der Kammerjäger in mein Zimmer und sagt: Bei dir sind also Irrlichter aufgetreten. Vielleicht warst du so wütend in der Nacht, dass du einen Kugelblitz erzeugt hast? Schon gleich unfroh entgegne ich, dass ich unterscheiden kann. Meine Daguerrotypien findet er überzeugend, obwohl sie nur fahles Flackern zeigen. Er spannt seine Eisen und setzt sich in den bequemen Sessel. Über Stunden trinken wir Kaffee oder Tee, oder eine Mischung aus beidem. Alles bleibt ruhig, der Kammerjäger räuspert sich, und ich stimme ihm zu. Da geschieht es. Nur schwer sichtbar geht eine verästelte Dunkelheit durch die Luft. Hab ich dich, meint der Kammerjäger, als er das Phänomen in einer Flasche verkorkt, die für starke Säuren geeignet ist. Er will viel Geld, aber ich ziere mich nicht. Jahre später höre ich, dass er eine Partei gegründet hat, die sein Land ins Unglück stürzen wird.

Marcus Hammerschmitt, *1967 (Saarbrücken), Schriftsteller, Journalist, Fotograf. Zuletzt: „Rom“, Schiler & Mücke, Tübingen/Berlin (2021) und „Die Teufelsinsel“, Edition J. J. Heckenhauer, Tübingen (2020)
Marcus Hammerschmitts Schimmerbuch
Marcus Hammerschmitts Homepage

Die Text- und Bildrechte dieses Beitrags liegen bei Marcus Hammerschmitt.

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