Fußstapfen

Aus dem Alltag

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Als Josef Klein in die Gaststube trat, fiel ein Teller zu Boden, zerbrach. Klein sah zur Wirtsfrau, sagte nichts, senkte den Kopf, ging grußlos zu dem Tisch, der als seiner galt. Er setzte sich, achtete nicht auf den Streit, den zwei Stammgäste am Schanktisch führten, hörte nicht das schnarrende Lachen der Küchenhilfe. Klein lehnte sich zurück, schlug das rechte Bein über das linke, schaute aus dem Fenster, wartete. Er nickte, beifällig, knapp, als die Wirtsfrau ein Glas Wein vor ihn stellte. Eine Minute wohl, dass er es besah, bevor er danach griff. Als er getrunken hatte, hing er allerlei Gedanken nach, ohne danach sagen zu können, welcher Art sie gewesen waren. Merkwürdig, dachte er, als er wieder nach dem Glas griff und feststellte, dass es leer war. Er sah auf, hob die Hand, nickte. Als sein Blick auf die Tür fiel, wurde ihm klar, dass er noch kein Wort gesprochen hatte. Er räusperte sich, senkte den Kopf, als die Wirtsfrau ein neues Glas auf den Tisch stellte. Überhaupt die Schweigsamkeit; war sie ihm nicht Gefährtin geworden seit dem Tod der Frau? Er lächelte bitter, nahm das Glas, trank. Eine Weile, dass er sich stumm umsah im Raum, die Fliege bemerkte, die gegen das Fensterglas stieß. Sein Vater kam ihm in den Sinn, aus einer inneren Notwendigkeit wohl, saß Klein doch auf dem Platz, der der seine gewesen war, lange Jahre. Wie sehr, fragte er sich, dass man den Eltern ähnelt, wurde man älter und älter? Dass man in ihre Fußstapfen trat, ihr Verhalten spiegelte? Der Gedanke behagte ihm nicht. Zwei Gäste betraten den Raum, grüßten rundum; der Wirt kam aus der Küche, rieb sich die Hände an der Schürze trocken. Josef Klein schloss die Augen, öffnete sie wieder, fasste einen Entschluss, stand auf. Er würde nicht wiederkommen. Als er den Gastraum durchquert, die Hand am Türgriff hatte, rief ihm einer, war es der Wirt? einer der Stammgäste? ein Grußwort hinterher. Klein hob den Kopf, sah zur Schank. Bis morgen, sagte er, ging.

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