alle meine Worte

alle meine Worte

ein wildes Wort
wütet
vorm Tor

ein süßes
steht ihm
summend zur Seite

ein drittes
lehrt täglichen Dämmer
viel nächsten Tag,
das Pflaster
bald Strand,
die Zeile
manch Zeichen

ein tapfres
frisst Müll
aus den Tonnen,
ein übles kotzt auf Asphalt

ein erdiges stampft,
ein wässriges spiegelt,
ein feuriges züngelt,
ein luftiges schwebt,

ein sehr...

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Wohin?

Wohin?

Ich schloss die Tür, trat in die Nacht, schritt durch die Dunkelheit, die schwer über den Gassen hing. Mich fror. In den Häusern der Nachbarschaft tanzte buntkaltes Licht. In einem Garten, rechter Hand, verbellte ein Hund den Mond, der fadgelb am Himmel stand. Im Rinnstein lag ein Feuerzeug. Ich schob den Kopf in den Nacken,...

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Schneescherben

Schneescherben

den eigenen spuren folgend
die der eiswind verweht
die luft splittert
den körper in schneescherben
einen fuß vor den anderen
ein gedanke der
den flocken folgt
leicht wie
ein eisberg
flieg seelchen
flieg

Aus:
Peter Ettl: Schneescherben, Silver Horse Edition, 2023.

Peter Ettl, *1954 in Regensburg, lebt in Marklkofen (Niederbayern). Über 50 Buchveröffentlichungen, zuletzt „Schneescherben“, Lyrik,...

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Du schläfst

Du schläfst

Mondlicht fällt ins Zimmer, liegt kalt auf deiner Haut. Du schläfst. Weit weg, scheint mir, bist du und liegst doch neben mir. Streckte ich meine Hand aus, ich könnte dein Gesicht berühren, dein Haar, deine Schulter. Einen Moment lang, dass ich es will, unbedingt, aber ich lasse es, habe Angst, dich zu wecken. Ich sehe...

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Die frühesten Bilder

Die frühesten Bilder

Dies Theorem, daß die Kindheit ein Urkontinent sei. Wir versuchen uns zu erinnern an das früheste Bild, das wir haben. Der Freund sieht sich auf der nächtlichen Kinderstation in einem kalten Gitterbett. Seine Frau liegt im Stubenwagen, und eine Maus läuft ihr über die Stirn. Du richtest dich am Beistelltischchen auf und stößt dabei die...

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