Sprach-Raum

Aus dem Alltag

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Still ist es, endlich, da der Tag sich neigt, sich der Schlüssel findet zum Sprach-Raum. Als erstes, dass mir der Bindestrich ins Auge fällt, der an einem Satzende sitzt, weint. Ich blicke zu Boden, finde kein tröstendes Wort, sehe wieder auf, halte Ausschau nach alten Bekannten. Wo warst du so lange? fragt einer, nahe, laut, und ich wende den Kopf, bemerke das Substantiv, das einsilbig ist, für gewöhnlich. Ich hatte zu tun, antworte ich, bereue es augenblicklich, weiß ich doch, müsste es wissen, dass die Sprache keine Ausrede duldet. Soso, sagt das Substantiv, das sich heute redselig gibt. Ich beiße mir auf die Lippen, sehe wieder zu Boden, schweige. Soso, sagt es abermals, dreht sich um zu ein paar Verben, die gelangweilt nicken. Als ich meine Hand zum Gruß heben will, zwickt mich ein grobes Adverb in die Wade. Ich fluche. Ein Anfang, immerhin, sagt das Substantiv, zwinkert mir zu, eilt zu einer Gruppe Possessivpronomen, die in einen Disput über strittige Besitzverhältnisse vertieft scheint. Nun denn, sagt das Umstandswort, das ich jetzt erst bemerke. Nun denn, wiederhole ich. Wir schweigen eine ganze Weile, bevor wir beide gähnen. Weißt du, sagt das Umstandswort dann doch, sieht mich fragend an. Weißt du eigentlich, was du hier suchst? Nein, antworte ich, schüttle den Kopf. Ganz und gar nicht, sage ich. Wir lächeln beide, umstandslos. Seid still, zischt ein gemeinhin unterschätztes Adjektiv, deutet auf ein unscheinbares Wort. Horcht zu! Und ich schließe die Augen, bin still. Horche.

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