Über Kirchen und Galgen

Weinviertel & Seewinkel

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Interessant ist das schon, wie die Weinviertler sich dem Thema Kirchenbau genähert haben. In Eggenburg etwa sind die zwei Türme grundverschieden und ungleich hoch dazu und beide sind sie niedriger als das Kirchschiff, was ja nun wirklich ungewöhnlich ist. In Pulkau haben sie die Heiligblutkirche ohne Langhaus gebaut, was aber auch nix macht, weil schon das Querhaus so dimensioniert ist, dass der örtliche Fußballverein dort locker seine Bewerbsspiele abhalten könnte, weil überdacht schon super. In Pillichsdorf wieder ist das Langhaus gleich um ein paar Meter niedriger als der Chor und das wirkt dann irgendwie so, als ob die Baumeister ihren Gewerbeschein beim Wettsaufen am hiesigen Schlachtsaufest gewonnen hätten, das darf man schon so sagen. Mein Favorit aber Stripfing, da schaut die Kirche aus wie das örtliche Lagerhaus, das sie irgendwann zu einem Umspannwerk umfunktioniert und dann einen mächtigen Blitzableiter draufgetan haben.

Aber wahrscheinlich haben die Weinviertler, konservativ wie sie sind, anfangs einfach eine ganz normale Kirche bauen wollen, mit Turm und Schiff und Chor und stämmigen Putten und allem. Und dann sind ein paar Unternehmensberater vorbeigekommen und haben gesagt bau das höher oder lass das weg oder das Chorgestühl könnt jetzt schon eine andere Farbe vertragen und sowas in der Art halt. Und dann ist zum Schluss wieder so ein Wirrwarr rausgekommen, dass sich jeder gefragt hat, was soll das denn jetzt und der Unternehmensberater ganz schnell in den Nachbarort weitergezogen und keiner hat sich mehr erinnern können, wer ihn engagiert hat und in den Ortschroniken auch nix verzeichnet, weil sonst hätt‘ man sich ja genieren müssen.
Man kennt das ja.

Der 8. November 1743 war kein guter Tag für den Michael Pokorny aus Hianowitz in Mähren. Er hätt‘ halt nicht seinen Kollegen, den Wagnermeister Georg Preiner aus Großkrut und dessen Dienstmagd erschlagen und die zwölf Gulden stehlen sollen. Nein, im Nachhinein betrachtet war das gar keine gute Idee. Weil dann wär‘ ihm das erspart geblieben, das Rädern und das Hängen, und das ‚mit glühenden Zangen in die Brust gezwickt‘ werden war sicher auch nicht lustig. Aber wenn er das nicht gemacht hätte, dann wäre er nicht der Letzte gewesen, der auf dem Großkruter Galgen sein Ende gefunden hätte. Bis dato zumindest, weil der Galgen, der steht heute noch da. Gleich neben der B47 und inmitten von Sonnenblumenfeldern.
Und die Aussicht von dort oben ist sicher auch nicht so schlecht. Im Prinzip halt.

Es ist ja so, dass wir seit ein paar Tagen in Grub an der March wohnen. Das ist jetzt keine Bildungslücke, wenn man das nicht kennt, aber hilfreich ist’s schon, wenn man weiß, dass sie hier auch Zimmer haben, wo man in einem Weinfass nächtigt. Ehrlich gesagt haben wir ein normales Bett vorgezogen, weil so weit sind wir noch nicht, dass wir auf Diogenes machen und außerdem Fass nicht gut, wenn du mitten in der Nacht plötzlich aufschreckst und merkst, der Winkel war jetzt aber ein ganz ein blöder.

Aber jetzt pass auf, weil Publikum in Grub an der March sehr heterogen und praktisch jeder außer uns nur Tagesgast. Am Montag sehr angenehme Menschen, nämlich Salzburger, die quer durch das Weinviertel radeln und letzten Juni wie wir in der Kellergasse in Heiligenbrunn auch den alten Herrn Kedl bei einem Glas Uhudler sitzen gesehen haben. Aber jetzt schweife ich wirklich ab, das muss ja nicht sein. Am Dienstag die unvermeidliche Pensionistenrunde auf Weinverkostung mit einer ganz erstaunlichen Alkoholtoleranz und Blutfettwerten, auf die sogar eine Blunzn neidisch wär‘. Am Mittwoch dann ein Wiener Paar, dem man die Übernachtung hier geschenkt hat und das der ländlichen Stille mit deplatziertem Karaoke begegnet. Die Frau übrigens, wie soll ich’s sagen, recht barock, die hätt‘ beim Sautrogrennen in Eichenbrunn keine Chance. Außer als Sautrog vielleicht, aber jetzt bin ich wahrscheinlich nachtragend, weil sie uns mit ihren deutschen Schlagern so gequält haben, das kann man schon persönlich nehmen. Irgendwann die beiden dann doch auf ihrem Zimmer und da hab ich mir gedacht, wird er wohl Ingenieur sein, weil irgendwie hat er sie offenbar hineingekriegt ins Fass. Weil dass sie im Fass waren, das hast du schon gehört, wahrscheinlich sogar bis nach Gänserndorf.
Und da merkt man wieder, dass Grundkenntnisse der Akustik doch nicht so unnütz sind wie gemeinhin angenommen.

Ihr seht, im Weinviertel ist was los.

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