Feldpost
- Mai 24, 2024
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- Manfred Lipp
Mein lieber Vater. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Brief an Dich schon begonnen, die wenigen, dürren Worte, die ich auf verknittertes Papier geschrieben hatte, bald wieder verworfen habe. Sie kamen mir falsch vor. Also will ich es noch einmal versuchen; und ich will ehrlich zu Dir sein. Ich war es nicht immer.
Es ist...
Lose Enden
- Mai 17, 2024
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- Manfred Lipp
Als sie durch die Tür trat, ins Krankenzimmer, den Atem der Mutter hörte, der laut war und schleppend, wusste sie, dass die Mutter starb. Sie nickte der Schwägerin zu, dem Bruder, die im Raum standen, zu ihr sahen. Niemand sprach. Kurz, dass sie die Augen schloss, sich fassen musste, zwei tiefe Atemzüge tat. Sie machte...
Eigentlich
- Mai 10, 2024
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- Manfred Lipp
Eigentlich sollte ich glücklich sein. So vieles, auf das ich stolz sein könnte [müsste!], das mir gut geriet auf meinem Weg durch die Jahre. Schaut! will ich rufen. Schaut auf mein Haus, meine Frau, die Kinder [vor allem die Kinder, dieses Prestigeprojekt eines eisernen Willens]. Und doch: schließe ich die Augen, hockt da die Leere,...
Karfreitag
- Mai 03, 2024
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- Manfred Lipp
Den ganzen Tag schon, dass die Stadt ein stummes Gewand trug. – Ein stummes? – Ja, ein stummes; nachtdunkles. Sogar das Schnarren der Elstern, sonst forsch und selbstsicher, verkam zu heiserem Gezeter. Hie und da ein Glockenschlag, ein einzelner nur, gleich aus jener Richtung, dann aus dieser. Jeder Schlag ein Gedenke des Todes! zwar, aber:...
Ana föd
- April 26, 2024
- by
- Manfred Lipp
Drausd, in da Vuaschdod, is des Tschocherl, wo i zwamoi am Tog vuabeigeh, amoi in da Frua, amoi am schbädn Nochmittog. In da Frua is finsta drin, hots no zua, weu ned amoi de grestn Drangla scho um hoiba ochte beim Branntweina sitzn. Oba waun i hamgeh, waun mi di Hockn ausgschbuckt hod fia den...





