Posts by Manfred Lipp
Immer drei

Immer drei

Hör mir zu, sagtest du, nahmst meine Hand in deine. Damals, als deine Stimme schon schwach war, dein Atem laut, dein Lebensfaden kurz. Stumm, dass ich an deinem Bett saß und deine knochige Hand hielt. Drei, sagtest du. Drei, die da sind, wohin du auch gehst. Einer, der dich nicht bemerkt. Einer, der dir nicht...

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(Ohn)Macht

(Ohn)Macht

Endlich, dass er ein wenig Schlaf fand in der Dunkelheit der kleinen Stunden, bevor er in die Schlucht eines unruhigen Traums fiel. Makellos weiß war die Wand, vor der er sich sah, die ihm, turmhoch, den Weg versperrte, die Flucht verbot. In seinem Rücken, nah, ein metallischer Laut, schrill, bedrohlich. Er hatte nichts Menschliches an...

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Pnyx

Pnyx

An einem Samstag im April, dass wir auf den Stufen saßen, die ein Steinmetz schlug vor zweitausendfünfhundert Jahren, der Flugbahn einer Elster folgten, auf die Akropolis sahen. Aus der Ferne, von Monastiraki her, das Rauschen des Abendverkehrs, der Schlag einer Glocke, der wütende Laut eines heulenden Motors. Wind kam auf, mit einem Mal, schob den...

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Zahltag

Zahltag

Die Frau, die eine weiße Bluse trug und eine hellgraue Weste, schwieg. Sie hätte auch gar nicht gewusst, was zu sagen gewesen wäre, welche Worte sich hätten finden lassen nach dem, was geschehen war. Also saß sie in diesem Raum, hielt ihren Rücken gerade, sah über die Schulter des Arztes hinweg auf den Kunstdruck, der...

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Sprach-Raum

Sprach-Raum

Still ist es, endlich, da der Tag sich neigt, sich der Schlüssel findet zum Sprach-Raum. Als erstes, dass mir der Bindestrich ins Auge fällt, der an einem Satzende sitzt, weint. Ich blicke zu Boden, finde kein tröstendes Wort, sehe wieder auf, halte Ausschau nach alten Bekannten. Wo warst du so lange? fragt einer, nahe, laut,...

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