Beiträge aus Gastbeiträge Kategorie
Berufsgeheimnisse

Berufsgeheimnisse

Dreißig vergangene Jahre. Abschlußklasse, Abiturjahrgang, die wir nun dasitzen vor der runden Klippe dieser Zahl. Mit Tätigkeiten und Feldern, die sich erstrecken bis ins Graugebiet der Schläfen: die erschöpfte Krankenschwester, die jetzt Pfarramtssekretärin ist, der Verwalter der Insolvenz, ein angesäuselter Unfallsachverständiger, stocksteif der Sicherheitsbeauftragte. Ab wann das Recht der Gewohnheit zum Gewohnheitsrecht wird, darin kennt die faltenstrenge Juristin sich aus, für die einmal fast alle schwärmten.

Im Zeitmanagement, klingt es vom Tischende herauf, reiche die Planungssicherheit oft kaum bis zum übernächsten Augenblick. Überrage jedoch der zweite Zeh den großen, zeuge das, so der Podologe, von...

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Brieftauben in Berlin (1988)

Brieftauben in Berlin (1988)

Zum Glück hat uns noch keiner dabei beobachtet, ich könnte nicht einmal erklären, wie es angefangen hat. Wir stehen einander gegenüber, zu unseren Füßen die Kante einer Mauer. Jeder von uns schaut aus seinem vierten Stockwerk über diese Mauerkante hinweg. Wohin das Licht beim anderen fällt, weiß ich nicht – bei mir scheint es in...

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Petersilie und Portwein

Petersilie und Portwein

Es ist dunkel, als die Maschine zum Sinkflug auf Dublin ansetzt. Keuchend habe ich den Anschluss in Heathrow geschafft, die indischen Zollbeamten in ihren neuen Brexit-Glashäuschen verwünschend. Nun hängt der Gin Tonic, den die überschminkte Stewardess mir serviert hat, wie ein Nebel in meinem Kopf. Mein Koffer scheint mir schwerer, als ich ihn endlich vom...

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Ich höre dem Regen zu

Ich höre dem Regen zu

Müde geworden, habe ich aufgehört,
mit Menschen zu sprechen, umarme
stattdessen die Bäume und spreche mit ihnen.

Warfen mich Antworten in Zweifel zuvor, häufig
in Trübsal sogar, so wiegt mich ihre Blättersprache
in Ruhe, außen und innen, in Nähe zur Welt.

Ich höre dem Regen zu, der auf mich
niederfällt und von den Weiten des Alls berichtet...

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Pythia und Hypnos

Pythia und Hypnos

Auf den taunassen Mohnfeldern des Hochplateaus begann der Morgen. Als Wind aufkam, breitete Hypnos, nackt und Mohnblüten im Haar, seine Arme aus. Auf sein Zeichen hin reiften die Samen, fielen in die Hohlräume der Kapseln, rasselten, rasselten, rasselten dort, als stärker wurde der Wind.

Der Regen fiel so zart, dass er unsichtbar war. Er umfing den...

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