Beiträge aus Gastbeiträge Kategorie
Flussbett

Flussbett

Zuerst wusste ich nicht, dass es ein flussbett wirklich geben kann. So hielt ich den durch die ufer begrenzten graben, in dem der fluss fließt, für ein flussbett, wie alle anderen auch. Aber eines tages – auf einem spaziergang am ufer der dreisam – sah ich ohne zweifel ein echtes flussbett. Wer die dreisam kennt, der weiß um die wandlungsfähigkeit dieses flusses: mal schäumt und sprudelt er übers ufer hinaus, mal zeigt der wasserstand nicht mehr als zwanzig zentimeter. Dazwischen ragen die felssteine, liegen die kiesel. Es war sommer und der fluss trocknete mehr...

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Krieg, danach

Krieg, danach

Jede Autobiografie ist eine nachträgliche Erfindung, mehrmals im Leben variiert. Je älter ich werde, um so mehr sortiere ich mein Gedächtnis. Ich weiß alles, aber ich will nicht mehr alles von mir und anderen erinnern. Die Zukunft kann mich überraschen, auch wenn ich mir über einiges sicher bin, das ich nicht mehr erleben werde. Also...

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Hinauf auf den Fichtelberg, eine verschneite Erinnerung

Hinauf auf den Fichtelberg, eine verschneite Erinnerung

Diese zwei handgeschnitzten bäuerlichen Holzfiguren brachte ein Onkel von mir auf seinem Fronturlaub seinen kleineren Geschwistern aus dem Erzgebirge mit. Er fiel in den letzten Kriegstagen irgendwo im Osten und blieb ohne Grab.

Kurz nach der Wende fuhren auch wir in das Weihnachtsland. In den Wäldern lag Schnee, in den Fenstern leuchteten Schwibbögen, in den kleinen...

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Poesie zwingt sich nicht auf, sie setzt sich aus

Poesie zwingt sich nicht auf, sie setzt sich aus

Die Anfänge meiner Auseinandersetzung mit der Poetik bleiben dem Deutschunterricht geschuldet, denn in Schulbüchern fand ich reichlich Werkauszüge vor, die mich fortan beschäftigen sollten. Es waren Autor*innen wie Paul Celan, Ingeborg Bachmann oder Ernst Jandl, die meine Vorliebe für die Kenntnis um das Wesen der Poesie anfachten und die mit ihren Kompositionen völlig neue und...

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Paradies

Paradies

Es ist vier Uhr morgens, aber das wissen sie nicht. Die Bahnhofshalle ist auch bei Tag ohne Licht. Seit wann sie hier sitzen und wie lange noch, spielt jetzt keine Rolle. Er zieht seine Hände wieder weg und er weiß, daß er gehen müsste, aber er kann nicht. Er trinkt Kaffee, sitzt auf diesem Stuhl...

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