Schwarzer Tobak
- Oktober 25, 2022
- by
- Karl-Gustav Ruch
Endlich eine Arbeit für einen schwarzen Mann, dachte Abdul aus Senegal, und bewarb sich für die jedes Jahr von der Stadtverwaltung ausgeschriebene Rolle des Balthasar am Umzug der Dreikönige. Irrte sich aber, denn seine Bewerbung wurde, wie die aller andern Schwarzen, zurückgewiesen. Er solle die Abfuhr bitte nicht persönlich nehmen, erklärte ihm der Beamte, aber unsere Kinder sind halt ungeschminkte Negerkönige nicht gewohnt. Und so stand der schwarze Abdul wieder an der Ecke und verkaufte schwarzen Tabak. Ein Jahr später wollte sich der schwarze Abdul wieder für die Rolle des Balthasar bewerben. Diesmal schwarz...
Ursache der Funken
- Oktober 18, 2022
- by
- Marcus Hammerschmitt
Wenn die Kinder schlafen, klingelt es an der Tür. Draußen steht der Mann mit der Melone. „Van der Graaf“, sagt er und fließt über die Schwelle wie ein Versicherungsvertreter. Er hat seinen Elektrisierapparat dabei. In der Küche baut er alles auf, und gleich riecht es nach Ozon. „Man hat meine Erfindung missbraucht“, sagt er, während...
Roma (2017)
- Oktober 11, 2022
- by
- Alexander Peer
Esse ich Tiramisu,
ist mir Schrödingers Katze miau.
In der U-Bahnstation warten und wissen,
sie kommt oder sie kommt nicht.
Später blicke ich in den Brunnenschacht
eines Nero D‘Avola und bin
erst nach zwei Tagen wieder
rauf geklettert.
Dennoch,
ich mag Rom
so viel mehr als Montage.
Mit wehenden Wimpeln
ziehen die Fußballfans
zum Olympiastadion....
Für den Mann, der den Rauch erfand
- Oktober 04, 2022
- by
- Sven Heuchert
Meine Pfeifen reinige ich immer in einer bestimmten Reihenfolge. Die Brebbias, die Savinellis, dann die Dunhills. Ich besitze über siebzig Pfeifen. Regelmäßig rauche ich nur zwei, vielleicht drei. Sie haben sich in Jahren der Routine durchgesetzt. Ich mag sie aus unterschiedlichen Gründen. Die Form schmeichelt der Hand oder das Holz hat eine besondere Maserung. Drüben...
Abendmahl
- September 27, 2022
- by
- Philipp Schiemann
Schlag 18 Uhr
schlurfen sie alle herein
mit ihren mehr oder weniger roten Gesichtern,
schweigsam, gesenkten Blickes
und voller unbestimmter Ängste,
eine Ansammlung von Menschen,
wie unwillkürlich aus der Straßenbahn herausgepickt,
und doch mit dieser einen, unbarmherzigen Schnittmenge,
die sie alle zu Patienten
hier auf der Station macht:
Süchtige, manche noch frisch
und ganz erschrocken,...





