Beiträge aus Gastbeiträge Kategorie
Die Nöte des Herrn Professor Streusam

Die Nöte des Herrn Professor Streusam

In sich versunken eilte Professor Streusam am Lehrgebäude F vorüber.
„Herr Professor!” riefen da die Studierenden von der Eingangstür her. „Hallo, Herr Professor, hier sind wir.”
„Jaja, ich weiß schon, dass ihr da seid. Denkt ihr, ich bin blöd? Ich will nur eben noch zum Briefkasten.”
Wo hatte er nur wieder seinen Kopf, der Herr Professor … Wenigstens war er nicht faul im Erfinden von Ausflüchten. Schon stand er vor dem Briefkasten. Was sollte er nur hineinwerfen? Einen Brief hatte er nicht zufällig dabei? Er kramte in seiner Mappe. Nein, kein Brief, auch nichts Entbehrliches,...

Comments Off
stein aus herz

stein aus herz

lautlos
summen die steine
während der regen
sie wäscht
und immer geht ein
stückchen leben dabei
verloren
aus sand und einer träne
entsteht eine fontäne
und ein stein aus herz

Aus:
Rudolf Kraus: schuldgefühle allerorts, ein lesebuch (1975-2022), Wien: Verlagshaus Hernals, 2023.

Rudolf Kraus, * 25.9.1961 in Wiener Neustadt, NÖ.
Aufgewachsen in Bad Fischau-Brunn,...

Comments Off
Hemden gebügelt

Hemden gebügelt

Später werde ich sagen Ich habe Hemden gebügelt
ferngesehen und mit meinem Bruder telefoniert
Aber das stimmt nicht Ich habe wehrlos zugesehen
wie beim Eindämmern mein kleines Leben zerfiel
Rasch erlosch das Frühlingslicht das mich putzte
und schob unbehauene Grabsteine vor die Fenster
Der Tagesschausprecher schickte mich in Frührente
Erste ungelesene Bücher wandten sich...

Comments Off
Reisen zwischen Buchdeckeln

Reisen zwischen Buchdeckeln

Ich bin in einem typischen Wiener Substandardbau aufgewachsen. Mit Bassena im Flur und „indischem Klo“ (jenseits des Ganges). Mein Vater wohnte im 4. Stock einer Margaretner Zinskaserne in einer klassischen Zimmer-Küche-Wohnung, als er meine Mutter aus dem Niederösterreichischen in die Hauptstadt holte, und exakt diese Bleibe diente auch mir als Wohnstatt. Was konkret bedeutete,...

Comments Off
Der alte Herr

Der alte Herr

Ein schöner Sommerabend, ich gehe ins ‘Da Emanuel‘. Ich habe Lust auf ein Carpaccio, auf ein Glas Wein. Auf dem Bürgersteig vor der Tür des Restaurants wird ein Vorgärtchen simuliert, mit Topfbäumchen, einer Marquise, wenigen Tischen und Stühlen.
Am Nebentisch ein alter, ein sehr alter Herr – später wird er mir würdevoll sagen: „Ich bin...

Comments Off
×