Ein Requiem für eine Zehe

Weinviertel & Seewinkel

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Schön ist das, dass endlich der Wanderurlaub anfängt, hat sie grad eben noch gesagt, die Doris, bevor sie im Bad verschwunden ist. Und recht hat sie, weil jetzt geht’s in den Seewinkel und dort kannst du gehen ohne Ende, da haben sie soviel Landschaft zum Durchqueren, da wirst du höchstens an der ungarisch-serbischen Grenze aufgehalten. Und ich sag noch ja, da freu ich mich auch schon drauf, dass nicht ständig nur unser Polo Bewegung kriegt, der ist das ja gar nicht richtig gewohnt, und mach so einen schnellen Schritt, dass MARANTANA KRUZIFIX!!! Und Idee war das keine gute, die vierte Zehe, also Ringzehe quasi, mit dem massiven Fauteuil touchieren zu lassen, weil der auf dem Teppichboden genauso ausweicht wie der Sergio Ramos von Real Madrid, nämlich überhaupt gleich gar nicht. Ich natürlich mit Wucht dagegengetreten, so ein bisserl wie der Cristiano Ronaldo beim Freistoß, nur nicht so breitbeinig vorher dagestanden und nachher erst recht nicht, weil ganz schlimmes Foul, also echt jetzt.

Und ich erst laut und dann ganz still, was prinzipiell kein gutes Zeichen ist, wenn du arglos im Bad stehst wie die Doris. Da denkst du dir dann schon: was jetzt, Herzattacke oder Skorpionbiss? Ich mittlerweile auf der Bettkante sitzend, mit dem Schicksal hadernd und mäßig tapfer, weil weh getan hat’s schon ganz ordentlich und schau halt blöd auf meine Zehe, die zwar noch da ist, aber Farbe und Form wechseln wie bei so einem ganz merkwürdigen Chamäleon.
Aber es nützt ja alles nix, denn fährst du jetzt in ein Spital, dann amputieren die dort höchstens, und das brauchst du jetzt auch nicht unbedingt. Und solange der Fuß in den Schuh passt, kannst du wandern, basta.

Und Auto fahren selbstverständlich auch, weil zuerst müssen wir noch von Rust nach Illmitz und wir noch nicht einmal in Oggau, der Himmel schon finster als ob ihm auch ein Zeh wehtät‘, er aber im Unterschied zu mir schon kurz vorm Weinen. In Purbach dann richtig dunkel, da hat die Stadt ausg’schaut, als wenn sie in Schwarz-Weiß wär‘, so stellst du dir ein Dorf in Transsilvanien vor, nur halt mit Störchen und dicken Menschen. Purbach eigentlich eh recht schön, gegessen haben wir aber dann im Turmhof in Breitenbrunn und ich muss sagen, viel besser könnt‘ man Krautfleckerl nicht machen und auch der Zander in Rieslingsauce und die Somloer Nockerl eins a, das hättest du jetzt vom Turmhof a priori nicht erwartet, das hat dann schon ein bisserl versöhnt mit dem Tag.

Nach dem Essen dann ausprobiert, ob der Fuß noch funktioniert und rauf auf den Türkenturm, da kann man das Skelett eines Höhlenbären anschauen, sowas siehst du ja auch nicht jeden Tag. Und, man glaubt es nicht, jetzt schon wieder einer dieser Zufälle, weil an der Kassa Frau mit Mittelfußknochenbruch. Ich natürlich auch gleich von wegen Zehe, man soll ja Gemeinsamkeiten schaffen mit den Leuten und Burgenländer jammern halt ganz gern. Und sie, ui, das tät‘ ich schon röntgen lassen, gebrochen ist gleich mal was. Und siehst du, das war dann auch wieder nicht das, was ich hören wollt‘ und dem Himmel war das jetzt auch alles zuviel.
Und da war er, der Regen.

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