Im Blaufränkischland

Aus dem Alltag

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Sapperlot, ich werd‘ das nie lernen, also diesen Sechser mit dem Weinglas. Das ist ja so eine schwungvolle Bewegung aus dem Handgelenk raus. Die Profis haben das natürlich drauf, so viele Promille können sie gar nicht intus haben. Und zugegeben, das schaut richtig elegant aus, das würdest du schon auch gern schaffen, aber irgendwie haut das nicht hin bei mir. Viel zu eckig die Bewegung und ein Sechser mit Ecken ist halt nicht das Gelbe vom Ei, von vollendeter Eleganz bin ich da ungefähr soweit entfernt wie die Hartinger-Klein von einer Spitzenposition bei den Beliebtheitswerten.

Ob die Schwenkerei dem Wein jetzt auch gut tut oder ob’s ihm nur schwindlig wird davon, das weiß ich nicht, aber den nächsten Schritt hab ich drauf: rein ins Glas mit dem Rüssel, tief Luft holen, ordentlich konzentrieren, diese Flavonoide sind ja noch flüchtiger als der Tibor Foco, und dann ganz laut ‚Bist du g’scheit, der riecht aber gut‘ sagen.

So eine Weinverkostung kann ja ein Ritual sein, da könnt‘ die japanische Teezeremonie glatt einpacken dagegen. Muss es aber nicht. Schon gar nicht, wenn dir ein g’standener burgenländischer Weinbauer gegenübersitzt, frei von jeglichen Starallüren, die ihm mit Fug und Recht zustehen würden, und durchaus puristisch auch rein vom Optischen her. Bauer halt, da musst du kein Model sein, da ist der Hillinger nicht wirklich repräsentativ für seinen Berufsstand, so ehrlich muss man sein.

Sechzehn Jahre schon fahren wir alljährlich ins Blaufränkischland, für mich ja das Mekka des österreichischen Rotweins. Die Gegend recht unspektakulär. Ein paar Hügel, aber keine hohen, ein paar Dörfer, aber keine bemerkenswerten, ein paar Menschen, aber nie viele auf einem Haufen, und dass sie Burgenländer sind, merkst du an der Figur und daran, dass sie ständig über die Hitze jammern. Was man aber findet in diesem magischen Dreieck zwischen Neckenmarkt, Horitschon und Deutschkreutz, das sind Rotweine von ganz außerordentlicher Qualität, das könnt ihr mir glauben.
Aber vielleicht wisst ihr das eh schon.

Wir diesmal nur bei zwei Winzern, weil jünger wird man halt auch nicht und so eine Weintour schon auch harte Arbeit, das glaubt einem ja keiner, der das noch nie gemacht hat. Schließlich gilt es, nie den Überblick zu verlieren, sich nicht zu verirren im mitunter recht breiten Sortiment, wo dir ein Wein besser schmeckt als der andere und lustiger wirst du auch mit jedem Schluck, den du nicht wieder ausspuckst in den Krug. Da kann’s dem Laien schon passieren, dass er noch vor dem Mittagessen ordentlich einen sitzen hat, das geht schneller, als der Gabalier die Bundeshymne singen kann. Also die, wo keine Frauen vorkommen, weil die neue kann er nicht.

Und um den Überblick nicht zu verlieren, braucht man ein System, da kann man nicht einfach sagen, ja, gut schmeckt er, den muss ich mir merken, weil spätestens nach dem fünften Wein denkst du dir: wie waren eigentlich die beiden ersten? Also werden eifrig Notizen gemacht, da sind der Fantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt, jugendfrei sollt’s halt sein. Da malt der eine Punkte, der andere kleine Flaschen oder von mir aus auch Herzen, während ich die Schrift auf ihre Urform reduziere: ich mach einfach Striche. Zeichnen kann ich nicht und mit dem Schreiben hab ich’s nicht so.

Nach dem ersten Winzer dann Mittagessen bei der ‚Traube‘ in Neckenmarkt, wo die Krautsuppe heuer wieder so schmeckt, wie sie schmecken soll. Und die Glatz Anni, die resolute Seniorchefin, auch wieder da, die ist ja ganz vernarrt in den Leo, den müssen wir nachher immer durch die Hintertür rausschleusen, dass sie ihn nicht dortbehält. Beim zweiten Winzer, dem Weninger Franz, reden wir dann über biodynamischen Weinbau und Homöopathie in der Landwirtschaft und die Doris da total kompetent dabei von wegen Komposttee, Rainfarn und Ackerschachtelhalm, also da würd’s den Pharmakonzernen angst und bange werden, wenn die uns jetzt reden hören könnten. Und die Evi leiert dem Weinbauern den neuen Jahrgang raus, der ist noch nicht einmal etikettiert, aber so eine Querverkostung ist ja ganz toll, da lernst du echt was über die Jahrgangsunterschiede und dem Winzer macht’s auch Spaß.

Und zum Schluss dann noch Eismarillenknödel in Deutschkreutz, das hat schon Tradition und ein bisserl was vom Dorfleben kriegt man auch mit, das reicht dir dann aber eh wieder für ein Jahr. Und nächstes Mal zwei von euch, die heuer ausgefallen sind, hoffentlich wieder dabei. Weil schwänzen geht echt nicht.

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