Kapetan Michalis

Athen

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Der Kapetan gibt sich wortkarg. Mit einer knappen Handbewegung winkt er uns hinein, in den Bauch des Lokals, schleicht dann an uns vorbei, nimmt Platz an dem Tisch beim Eingang, überlässt uns der Fürsorge seiner Angestellten. Wir schütteln die Märzkälte aus unseren Gliedern und setzen uns.

Also, sagt die Frau, sagt es auf Griechisch. Beginnt, die Speisen aufzuzählen, die zu haben sind an diesem Tag, eine Karte braucht es nicht. Wir horchen, konzentriert, neugierig, wissend, dass das Glück um die Ecke lauert. Der Kapetan schaut in unsere Richtung. Vor dem Fenster fegt der Sturm eine Plastikplane über den Asphalt.

Was wählen, wenn alles Genuss verspricht? Worauf verzichten? Nicht auf die Soutzoukakia. Auf die Kartoffeln aus dem Ofen. Keinesfalls auf den Kalmar.
Niemals auf Weißwein.

Essen und trinken. Ein paar Worte sagen, nicht viele. Den Liedern zuhören, die aus dem Radio fallen, und dem Summen des Kühlschranks. Auf die Frau schauen und den Kapetan, die an dem kleinen Tisch bei der Tür sitzen, aus dem Fenster sehen, kaum sprechen, der Welt keine Mühe machen.

Die Sessel zur Seite drehen, es machen wie sie. Ein letztes Mal vom Weinglas nippen. Die Zeit genießen, die nicht flieht, nicht drängt, bloß: ist.
Zufrieden sein.

Knappe Grußworte zum Abschied, ein freundliches Nicken. Der Kapetan duzt mich, ich begreife es als Adelsschlag.

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