Kipppunkt
- August 28, 2026
- by
- Manfred Lipp
Als sie ihn schlugen, floh er nicht. Es wäre möglich gewesen, in jenem Moment, als er sich ihrem Griff entwunden hatte; er aber blieb. Er dachte, es wäre Standhaftigkeit, die ihn nicht weichen ließ, ihn an die Stelle zwang, an der er einen ungleichen Kampf focht, doch er irrte sich. Es war Trotz. Die, die ihn schlugen, kannte er nicht. Sie waren aus dem Dunkel des Haustors getreten, hatten sich rasch um ihn geschart, waren schamlos in der Überzahl. Feiglinge blühen auf im Schutz der Gruppe, dachte er, als er seine Lage abwog. Nein, weder wollte er sich berauben lassen noch der Gewalt weichen. Es wurde bald ein wilder Kampf. Sie schlugen ihn und wurden von ihm geschlagen; sein Zorn, seine Gegenwehr überraschte sie. Da zückte einer ein Messer. Er, der nicht geflohen war, verengte die Augen, brüllte ihn an, ging auf den, der das Messer trug, zu. Jene, die ihn geschlagen hatten, hielten inne. Sie begriffen, dass ein Mensch, der nicht am Leben hängt, große Macht hat. Kurz schien es, dass niemand wusste, was getan werden wollte, bis einer ein Zeichen machte, ging. Die anderen folgten ihm wortlos.



