Sprach-Los

Sprach-Los

Stieß ich die Tür zum Sprach-Raum auf. Wo seid ihr? rief ich, fordernd, drängend, sah weite Leere, nichts weiter. Verloren, hilflos, dass ich dastand, mit offenem Mund, in den Abgrund des Trivialen starrte. Mir schauderte. Wo seid ihr? rief ich abermals, sah rundum, entdeckte ein Fragezeichen, das mich mürrisch fixierte. Schrei nicht so, flüsterte es,...

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Die ehrlichste Gage

Die ehrlichste Gage

Meine Laufbahn als Akkordeonist hat 1979 begonnen, auf der Kärntnerstraße.
So wie viele andere Musikstudenten bin ich zum Üben lieber dorthin gegangen als zu Haus die müde Mutter zu sekkieren. Natürlich war meine Absicht nicht, irgendwen zu belästigen – die Intention war, was ich gelernt hatte unmittelbar weiterzugeben. Und es haben sich immer Menschen gefunden,...

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Dort vorn: hodie

Dort vorn: hodie

Vor mir die Straße, nasser Asphalt; strähnige Wolken, sich spiegelnd in öligen Pfützen. Dort vorn: ein Paar, das, Hand in Hand, die Fahrbahn quert, aufsieht, mir ein Zeichen gibt. Ich nicke, blicke zu Boden, sehe den Pinsel, der im Rinnstein liegt, die Risse im Asphalt, die Inlineskates an meinen Füßen. Wie neu wirken sie und...

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Shanghaied

Shanghaied

Nur zwei, drei Zeilen, sagte der alte Schriftsteller, als man ihn bat, ein paar Worte für ein Buch zu schreiben, das dem eben ins Amt eingesetzten Präsidenten John F. Kennedy übergeben werden sollte.
Der Schriftsteller machte sich an die Arbeit. Nach einer Stunde stand auf dem Papier:
The marvellous thing is that it’s painless.

Shit, rief er, das...

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Áthos

Áthos

Zwanzig. Zweitausend. Null. Zwanzig Klöster trägt der Berg. Zweitausend Mönche. Keine Frauen. Ein Mythos, beinah: Άγιον Όρος.
Wer in die Republik der Mönche will, darf das Meer nicht scheuen, an der Landgrenze steht Stacheldraht, der Heilige Berg schätzt Distanz. Kein Besucherpass für uns, freilich; eine Bootstour soll uns reichen.

Wolkenlos, heiß der Tag, als sich das Schiff...

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