Brachland

Brachland

Fand sich am Wegrand ein steinernes Kreuz. Am Morgen, dass der Pflug darauf stieß, zur Mittagsstunde dann, dass die Menschen sich sammelten, die Zeichen besahen, die, von Flechten umrankt, auf dem Querbalken standen. Älter als die Zeit sei es, sagten die Narren und die Weisen, deuteten auf die Symbole, hoben den Finger, neigten den Kopf....

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Sommerlinde im Schnee

Sommerlinde im Schnee

Seit Tagen warte ich auf den Windstoss
der die Schneelast von meinen Ästen streicht
Ich möchte mich aufrichten durchstrecken
von den letzten vernarbten Kapseln befreien
Ins Licht drehen will ich mein Haupt mit all
seinen knorrigen Synapsen Wie ein Spalier
wächst mein Schatten über die Sonnenwand
Der Windstoss könnte auch ein Buchfink sein

Aus:
Thomas...

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Sprach-Los

Sprach-Los

Stieß ich die Tür zum Sprach-Raum auf. Wo seid ihr? rief ich, fordernd, drängend, sah weite Leere, nichts weiter. Verloren, hilflos, dass ich dastand, mit offenem Mund, in den Abgrund des Trivialen starrte. Mir schauderte. Wo seid ihr? rief ich abermals, sah rundum, entdeckte ein Fragezeichen, das mich mürrisch fixierte. Schrei nicht so, flüsterte es,...

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Die ehrlichste Gage

Die ehrlichste Gage

Meine Laufbahn als Akkordeonist hat 1979 begonnen, auf der Kärntnerstraße.
So wie viele andere Musikstudenten bin ich zum Üben lieber dorthin gegangen als zu Haus die müde Mutter zu sekkieren. Natürlich war meine Absicht nicht, irgendwen zu belästigen – die Intention war, was ich gelernt hatte unmittelbar weiterzugeben. Und es haben sich immer Menschen gefunden,...

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Dort vorn: hodie

Dort vorn: hodie

Vor mir die Straße, nasser Asphalt; strähnige Wolken, sich spiegelnd in öligen Pfützen. Dort vorn: ein Paar, das, Hand in Hand, die Fahrbahn quert, aufsieht, mir ein Zeichen gibt. Ich nicke, blicke zu Boden, sehe den Pinsel, der im Rinnstein liegt, die Risse im Asphalt, die Inlineskates an meinen Füßen. Wie neu wirken sie und...

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