No me llores

No me llores

Wenn nur diese Schmerzen nicht wären. Nichts, dachte sie, konnte einen darauf vorbereiten. Nichts den Schmerz vertreiben. Sie schloss die Augen, presste die Lippen aufeinander. Wollte nicht stöhnen. Der Tod ängstigte sie immer noch, aber mit jedem Tag wurde er ein Stückchen mehr zum Freund. Womöglich saß er schon im Nebenzimmer, trank einen café cortado...

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Adieu, liebe Mutter

Adieu, liebe Mutter

Meine Mutter hat getrunken
bis ihre Leber nur noch
ein harter Klumpen war
In all den Jahren
hatte sie häufig innere Blutungen
ist sie auf Messers Schneide eingeliefert worden
und hat immer überlebt

Oft habe ich vor der breiten Tür der Intensivstation
auf die Schwester gewartet
um dann mit Kittel und desinfizierten Händen
eingelassen zu werden

und da lag sie...

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Flügel

Flügel

Die Jugend hatte uns Flügel geschenkt, die uns die Zeit dann gestutzt hat. Langsam, sodass wir es anfangs gar nicht bemerkten. Damals, da hat uns die Nacht nicht geängstigt und jetzt fürchten wir uns vor den Schatten, die länger und länger werden.

Auf den Wiesen, über die wir als Kinder gelaufen sind, stehen jetzt Einfamilienhäuser. Die...

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In weiter Ferne so nah

In weiter Ferne so nah

Das Tosen der Brandung dringt durch den Nebel. Es ist kalt. Fröstelnd ziehe ich die Schultern hoch und schlinge die Arme fest um meinen Körper. Das soll Afrika sein? Dabei ist doch jetzt im Februar Sommer auf der südlichen Halbkugel. Unvermittelt klart es auf und die Luft wird rein wie Kristall. Weit dehnt sich der...

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Relax

Relax

Er hatte Erdnussbutter im Gesicht. ‚Du hast Erdnussbutter im Gesicht‘, sage ich und zeige auf seine rechte Wange. ‚Wo?‘, fragt er, fährt mit dem Handrücken quer über den halben Kopf und grinst mich an wie ein Säugling seine Lieblingsrassel. ‚Jetzt so ziemlich überall‘, sage ich und beiße in mein Butterbrot.

‚Wann hast du eigentlich diese große...

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