Tabula rasa

Aus dem Alltag

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Leer die Wohnung, still. Schatten kleben an den Wänden, wo kein Regal mehr steht, kein Bilderrahmen hängt. Von der Decke baumeln Drähte. So lange her der Tag, da wir hier eingezogen sind, Sandra. So viele Jahre.

Ich habe aufgehört, die Monate zu zählen, die du tot bist. Ich will es nicht mehr. Muss mich nicht mehr an die Erinnerung klammern, um nicht verlorenzugehen zwischen den Gitterstäben der Zeit. Auch das Trinken habe ich sein lassen, es war keine Mühe, ich hätte es nicht gedacht. Selbst die Katze ist nicht mehr. Sie wurde krank, zog sich zurück, war nach drei Tagen tot. Es war ein Dienstagmorgen, als ich ihren leblosen Körper fand. Er lag, der Rumpf gekrümmt, das Maul offen, die Augen verdreht, auf deinem Lieblingsplatz. Vielleicht, denke ich mir, hat sie deine Nähe gesucht, warst du bei ihr, als sie starb. Vielleicht.

Nichts mehr nun, das mich an diesen Ort bindet, keine Zukunft, die hier auf mich wartet. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe. Dass es keinen Sinn hat, an Vergangenem festzuhalten, an dem, was uns verbunden hat. An dir, die du nicht mehr lebst. Ich habe dich geliebt, Sandra, du weißt, wie sehr, hast es immer gewusst. Nie werde ich das kleine Herz vergessen, das du auf den Zettel gemalt hast. Auf den Zettel, auf dem stand: Bin bald zurück.

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