Umkehr-Schluss

Umkehr-Schluss

Wann, fragte er sich, hatte sich die Welt gegen ihn gewendet? Sie schien ihm doch ein freundlicher Ort zu sein, all die Jahre der Kindheit über, auch der Jugend, ja, selbst den größten Teil seiner Studienzeit, die ihm durchaus behagte. Ein Ort, der ihm stets die Gewissheit gab, jenen Platz in ihr zu finden, der ihm, wie er meinte, zustand, der ihm verbürgt schien wie eine schon im Kindesalter versprochene Braut. Es war dies freilich ein Versprechen, das er nie ernstlich hinterfragt, dessen dürre Beine, auf denen es ruhte, er nie auf ihre Festigkeit geprüft hatte. Er war ein positiv gestimmter Mensch, der die Molltöne des Lebens, sobald er sie hörte, als Zumutung empfand; also zog er es vor, nicht zu horchen. Dabei hatte sich seine Gewissheit keineswegs bloß auf elterliche Versicherungen gestützt, boten Talent und erworbene Kenntnisse ohne Zweifel Grund zur Annahme, dass ihm gelingen würde, was die Gesellschaft als gutes Leben begriff. Er aber, wie nicht wenige seiner Zeit, war es gewohnt, zufrieden zu sein mit dem, was sich bot [was ein feiner Wesenszug ist, der die Seele adeln kann]. Da sich aber das Rechte nicht bieten mochte und ihm das Drängen der Eltern zu einer Last wurde, die mit ökonomischen Zwängen unvorteilhaft verknüpft war, kam er zur Einsicht, dass sich die Welt [er konnte es nach eingehender, wenn auch unwilliger Überlegung nicht präziser ausdrücken] gegen ihn gewendet hatte. Es war dies, wie sich rasch zeigen sollte, eine Erkenntnis, die ihn gründlich der Verantwortung enthob, ihn vom Verlierer zum Opfer machte, zum Spielball anonymer Kräfte; kurzum: sie war höchst befriedigend. Der Staat also war es, der ihm zum Feindbild wurde, das System, das ihm den Erfolg vorenthielt. In dieser neuen Gewissheit ließ es sich einrichten, in ihr lagen die Schützengräben, die die alte Ordnung zerrieben.

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