Leicht
- Januar 21, 2022
- by
- Manfred Lipp
Auf dem Fensterbrett die Krähe. Reglos steht sie dort, schaut herein ins Zwielicht des Raums. Ob sie mich sehen kann, hier in meinem Krankenbett, oder sich bloß narren lässt von ihrem Spiegelbild?
Ich versuche, mich aufzurichten, es gelingt mir nicht. Ich lasse es bleiben, sinke zurück, ringe nach Luft. Ich ringe oft nach Luft in letzter Zeit. Werde es leid, will die Welt nicht als Mühsal begreifen. Will keine Last sein, niemandem. Ich schließe die Augen, wende mein Gesicht ab vom Fenster. Bin müde. Weiß, dass eine Träne in meinem Augenwinkel hängt.
Weine sie.
Ich träume. Muss...
In memory of Townes Van Zandt
- Januar 14, 2022
- by
- Manfred Lipp
Traurig, sagt ihr, seien die Texte
Die ich schreibe
Die Lieder
Die ich singe
Und dennoch werden sie
Euch trösten
Sage ich
Wenn die Zeit kommt
Da ihr
Mutlos seid
Sog
- Januar 07, 2022
- by
- Manfred Lipp
Manchmal, sagt er, sei es schwierig. Da wisse er nicht, was zu tun sei und zu sagen. Ob eine Tat oder ein Wort überhaupt helfe. Er schweigt, sieht zu Boden. Schaut wieder auf, sieht die Hilflosigkeit in den Augen der Tochter und die Sorge.
Manchmal verliere er die Geduld, flüstert er.
‚Du weißt, dass sie dement wird‘,...
Elementar
- Dezember 31, 2021
- by
- Manfred Lipp
Kann einer ertrinken in den Tränen, die er nicht geweint hat? Feststecken im Leerlauf seiner eigenen Antriebslosigkeit? Wie weit, frage ich mich, kommt der, der immer nur mit Fersengeld bezahlt?
Lässt sich ein Leben denken, das sich im Warten erschöpft? Kann man verlorengehen im Dickicht der Zeit? Ist es möglich, dass einer die alte Linde nicht...
Dinkelkeks
- Dezember 24, 2021
- by
- Manfred Lipp
‚Frohe Weihnachten, Leonie‘, sage ich. Nehme sie in den Arm, gebe ihr einen Kuss. Er schmeckt nach Johannisbeersaft und Zigaretten. ‚Frohe Weihnachten, Peter‘, sagt sie, streicht mir durchs Haar, gibt mir einen Klaps auf den Hintern. Geht zur Kommode, kramt in einer Schublade und verschwindet mit einer Büroklammer im Nebenzimmer. Ich bleibe ratlos zurück und...





