Licht
- Oktober 30, 2020
- by
- Manfred Lipp
Fitzek erschrak, als er die Tür schlagen hörte. Er hob den Kopf, sah vom Buch auf, das er gerade las, und horchte in die Stille hinein, die nun wieder dunkel im Raum hing. Er kniff die Augen zusammen. ‚Merkwürdig‘, dachte er und sagte es beinahe laut. Er war sich sicher gewesen, die Schlafzimmertür geschlossen zu haben.
Er sah auf die Uhr, hatte die Zeit ganz vergessen über diesem Buch, das ihn völlig in seinen Bann gezogen hatte. Werfels Erzählkunst war einzigartig, ‚Die vierzig Tage des Musa Dagh‘ nichts anderes als ein Meisterwerk. Es war schwer,...
Battaglin
- Oktober 23, 2020
- by
- Manfred Lipp
‚Nein‘, sagt Leonie und kaut auf ihrer Unterlippe. Sie kaut immer auf ihrer Unterlippe, wenn sie sich einer Sache nicht ganz sicher ist. Und da es ständig etwas gibt, worüber man sich nicht ganz sicher sein kann, ist es eigentlich bemerkenswert, dass sie überhaupt noch eine Unterlippe hat.
Leonie würde sie ganz sicher vermissen.
‚Es ist ja...
Da capo
- Oktober 16, 2020
- by
- Manfred Lipp
Schon wieder zu Hause hocken, in der Quarantäne. Nicht wissen, wie einem geschieht, warum grad wieder wir, man trifft ja ohnehin kaum Leute. Sehen, wie sie einen aus großen Augen anschaut, die Kollegin, der man den frühen Dienstschluss verdankt. Also dass sie, nie hätte sie gedacht, wer hätte das denn ahnen können?
Der Mundschutz baumelt lose...
Land am Strome
- Oktober 09, 2020
- by
- Manfred Lipp
An der Donau stehen und staunend die Hochwassermarken betrachten, die an den Hauswänden kleben wie drohende Menetekel. Die schlimmsten so hoch über den Köpfen, dass es ganz unwirklich wirkt und man sich fragt: wie soll das gehen? Wer hat so viel Wasser?
Sich umdrehen und dem Strom beim Strömen zuschauen. Sehen, wie er zum Ufer hin...
Gnade
- Oktober 02, 2020
- by
- Manfred Lipp
Mutter lacht. Es ist schön, sie so fröhlich zu sehen. So sorglos. Ich scheine einen ihrer glücklichen Tage erwischt zu haben. Einen, an dem die Schmerzen im Hintergrund lauern. Erträglich sind. ‚Schau‘, sagt sie und deutet auf das Blumenbeet, das der Nachbarschaftsverein im Vorjahr angelegt hat, gleich neben dem kleinen Café. ‚Die Astern blühen heuer...





