Der Sommer mit Karin
- Juli 31, 2020
- by
- Manfred Lipp
Wir waren achtzehn, hatten keine Sorgen im Gepäck. Stiegen in den Mitsubishi, der zu alt war für die Straße und zu jung für den Schrottplatz. Fuhren nach Kärnten, zwei magere Taschen im Fond. Hinter uns das Schuljahr, das letzte. Vor uns der Sommer, der ein endloses Versprechen war.
Der Sommer mit Karin.
Wir schliefen in kleinen Zimmern und in winzigen. In Räumen, in die gerade ein Bett passte und ein kleiner Kasten. Ein Sessel ohne Tisch. Viermal schliefen wir im Freien, weil es das Wetter erlaubte, obwohl das Gesetz es verbot. Wir schliefen eng beieinander. Nebeneinander....
Punktgenau
- Juli 24, 2020
- by
- Manfred Lipp
Sechzehn sind es. Sechzehn Nadeln, die in meinem Körper stecken. Erst Nummer acht hat wehgetan, hockt nun auf meinem Bauch, als wäre das ihr angestammter Platz.
Ich bin skeptisch.
‚Schön entspannen‘, sagt die Ärztin, bevor sie das Licht der Stehlampe dimmt, die Tür hinter sich zuzieht und kaum hörbar die Treppe hinuntersteigt. Ich schließe meine Augen und...
Schande
- Juli 17, 2020
- by
- Manfred Lipp
Die späte Kindheit, die frühe Jugend. Im Nachhinein waren diese Jahre die besten gewesen. Die sorglosesten. Der Vater trank zwar und im ärgsten Suff teilte er auch Schläge aus. Aber tranken und schlugen nicht alle Väter? Machte sie das nicht aus, die Männer? Die harte Arbeit, das Trinken. Die gelegentlichen Prügel, die das bisschen Macht...
Die Brücke
- Juli 10, 2020
- by
- Manfred Lipp
Den Radweg verlassen, die Landesstraße queren. Einem Weißstorch dabei zusehen, wie er in einem Acker spaziert und sich nicht stören lässt bei seiner Futtersuche. Einen Gang höher schalten, den Gewerbebetrieb links liegen lassen, vor dem zwei Lastwägen stehen und ein alter Volvo. Auf einen Feldweg einbiegen und hören, wie die Kieselsteine wegspritzen unter den Reifen.
Zur...
Unbehagen
- Juli 03, 2020
- by
- Manfred Lipp
Ich weiß nicht, wann ich zu zweifeln begann. Ich kann die Unruhe nicht benennen, die in mich gekrochen ist wie eine Spinne in eine Mauerritze. Die Welt trägt kein anderes Gewand als gestern, sie folgt denselben Regeln wie zuvor. Was uns zu braven Bürgern macht, hat seinen Wert nicht eingebüßt.
Und dennoch schmeckt der Alltag so...





