Go West
- März 22, 2019
- by
- Manfred Lipp
In weitem Bogen windet sich der Polo Richtung Autobahn. Umkurvt den Mistplatz Auhof, diese spröde Zierde des Wientals, beschleunigt forsch in artgerechtem Tempo, trägt mich unwillig, doch stumm nach Pressbaum.
Es ist Freitagabend und eine Fahrt über die öden Asphaltbänder der A1 eher am unteren Ende meiner Bedürfnisskala. Und doch bringt mich der Polo westwärts, weg von dem Ort, an dem ich gerne wäre, raubt mir die Zuneigung des heimatlichen Kanapees. Die Lichtkegel des einzigen Gefährts vor mir verdämmern langsam hinter einer fernen Kurve, als mir die Tankanzeige mit einem leidlich spöttischen Signal ihre beunruhigende...
Die Vermessung des Strahls
- März 15, 2019
- by
- Manfred Lipp
‚Dieses Mal werden wir eine Strahlmessung machen‘, meint die freundliche Dame am Empfang. Und während ich meine Unterschrift unter die allerorts unvermeidliche Datenschutzerklärung setze, ringe ich mir ein Lächeln ab, nicke wohlwollend und denke mir: wer könnte einer so freudvollen Verlockung widerstehen?
Um der Sache den nötigen Nachdruck zu verleihen, gönne ich mir schnell drei Gläser...
Ein Abend voll Poesie
- März 08, 2019
- by
- Manfred Lipp
‚wieviel ist nötig an wachsamkeit / ist nötig in den zeiten der bluthunde / schwall um schwall / die jagen und jagen die nächsten / die nächsten sind wir / strichliert fällt die zukunft aus den blättern‘
(Erika Kronabitter, aus dem Lyrikband Podium Porträt 99, Dezember 2018)
Ein stimmiger Abend voll Poesie beginnt mit prosaischem Unbill. In...
Eine haarige Geschichte
- März 01, 2019
- by
- Manfred Lipp
‚Die Frisur wie immer?‘, fragt sie und ich verspüre augenblicklich einen Hauch von Schuldbewusstsein, weil wir auch dieses Mal auf haarige Experimente verzichten werden. Sanft hält sie meinen Kopf zwischen ihren beiden Händen, wendet ihn zuerst ganz leicht nach links, bevor er in die Gegenrichtung muss, mustert ihn wie ein Künstler sein noch unfertiges Werk....
Forever Young?
- Februar 22, 2019
- by
- Manfred Lipp
Manche Dinge will man einfach nicht wahrhaben. Wir sehen sie nicht, auch wenn sie sich direkt vor unseren Augen befinden. Beachten sie nicht, obschon sie doch längst Teil von uns geworden sind. Der Mensch, so scheint es, hat eine virtuose Begabung, die hässlichen Begleiterscheinungen des eigenen Lebens auszublenden.
Beim Griff nach der Zahnseide, eines Vorgangs ungemein...





