Nebel

Aus dem Alltag

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Er öffnet die Tür, tritt in die Wohnung. Greift nach dem Lichtschalter, schließt die Tür, verriegelt sie. Zieht aus Gewohnheit den Schlüssel aus dem Schloss, legt ihn auf den kleinen Tisch in der Ecke. Dreht sich um und stolpert über die Katze, die lautlos um seine Beine streicht. Kann das Gleichgewicht nicht halten, fällt beinahe. Sieht, wie die Katze im Nebenzimmer verschwindet.
Ihre Hinterläufe stoßen gegen den Türstock.

Er lässt sich auf den Fußboden sinken. Sitzt, schaut. Trägt die Trauer in der Seele und den Rausch im ganzen Körper.
Weint.

Er horcht in die Wohnung hinein, hört nichts. Schaut auf den Schuhlöffel, der auf der Kommode liegt. Atmet jetzt ruhiger, beißt sich auf die Lippen. Sitzt am Boden.
Denkt an sie.

Irgendwie waren sie vergangen, die Monate nach ihrem Tod. Irgendwie. Die Zeit aber war zu dichtem Nebel geronnen, der keinen Raum fürs Leben ließ. Wie einer, der schläft fühlt er sich. Der weiß, dass er träumt. Machtlos ist.

Irgendwann begann er zu trinken.

Irgendwann wird er es wieder lassen, denkt er sich.

Er greift nach dem Schuhlöffel, hält ihn in der linken Hand. Schaut ihn an. Dreht ihn. Erinnert sich daran, wie sie ihn gekauft haben in diesem Einrichtungshaus am Stadtrand. Wundert sich, dass er sich daran erinnern kann: an den Kauf eines Schuhlöffels. Er steht auf und geht ins Nebenzimmer. Sieht die Katze, die auf der Decke auf dem Sofa liegt und ihn argwöhnisch betrachtet. Füllt ihre Futterschüssel, lächelt sie an.

Die Katze hüpft vom Sofa, läuft ihm entgegen. Drückt ihren Kopf in seine ausgestreckte Hand.

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