Januarwinken

Januarwinken

Traurig und verschmitzt war der letzte Abschied vom Onkel,
dem Altertumsexperten, der im Jemen den Straßenjungs ihre
(tags zuvor getöpferten) antiken Scherben abkaufte – jede
einzelne, die ihm angetragen wurde, bezahlte er: Die Jungs
der Gegenwart freuten sich, und er grub die Scherben
andernorts in die Erde, als Rätsel für zukünftige Archäologen.

Als Händels „Nie war...

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Phantast

Phantast

Du wirkst besorgt. Was bedrückt dich? –
Sieh dich um. Steht die Welt nicht am Abgrund? –
Und sie wird genesen, wenn du dich grämst? –
Sei nicht töricht. Wie kann ich gleichgültig sein gegen das Leid in der Welt? –
Wer die Augen öffnet, der sieht. Und wer sieht, der entscheidet: schaut er hin...

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Utopia

Utopia

Um sieben. Wenn es klingelte, konnte man sicher sein, dass es Erik war. Immer um sieben rief er durch, rief alle der Reihe nach an, ob sie heute Abend. Wie immer. Und sie kamen. Yves, Luc, Marco. Manchmal auch Sabine. Oder Maria. Lust hatten sie nicht wirklich, je älter je weniger. Sie trafen sich donnerstags,...

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Wendekreis

Wendekreis

Das Alter, sagt man,
mache nachsichtig
und milde.
Mir leiht es die Gabe
der Wut.
Schwach, ja: schwach!
mögen die Augen jetzt
sein,
doch das Unrecht haben sie
nie schärfer
gesehen.
Dem Falschen will ich
Namen geben,
die Glücksritter verspotten,
meine Wut will ich
stillen an der Quelle
der Gier.
Und hegen will ich
die...

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Wenn jemand schwach flackert

Wenn jemand schwach flackert

Als ich zu sauer war, schrie ich:
„Wieso prescht ihr vorbei?
Sieht niemand, wie schwach
ich flacker und paddel?“
Als ich zu süß war, gurrte ich:
„Wie herrlich die Strömung!“

Am Dienstagabend: habt ihr gesungen,
Am Donnerstag: die lieben Hände gefaltet,
Am Sonntagmorgen: grüßtet ihr und zeigtet
Herzen aus schönem, persönlichem Honig.

Als ich wisperte: „Wieso verdorre...

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