Die ehrlichste Gage

Die ehrlichste Gage

Meine Laufbahn als Akkordeonist hat 1979 begonnen, auf der Kärntnerstraße.
So wie viele andere Musikstudenten bin ich zum Üben lieber dorthin gegangen als zu Haus die müde Mutter zu sekkieren. Natürlich war meine Absicht nicht, irgendwen zu belästigen – die Intention war, was ich gelernt hatte unmittelbar weiterzugeben. Und es haben sich immer Menschen...

Comments Off
Dort vorn: hodie

Dort vorn: hodie

Vor mir die Straße, nasser Asphalt; strähnige Wolken, sich spiegelnd in öligen Pfützen. Dort vorn: ein Paar, das, Hand in Hand, die Fahrbahn quert, aufsieht, mir ein Zeichen gibt. Ich nicke, blicke zu Boden, sehe den Pinsel, der im Rinnstein liegt, die Risse im Asphalt, die Inlineskates an meinen Füßen. Wie neu wirken sie...

Comments Off
Shanghaied

Shanghaied

Nur zwei, drei Zeilen, sagte der alte Schriftsteller, als man ihn bat, ein paar Worte für ein Buch zu schreiben, das dem eben ins Amt eingesetzten Präsidenten John F. Kennedy übergeben werden sollte.
Der Schriftsteller machte sich an die Arbeit. Nach einer Stunde stand auf dem Papier:
The marvellous thing is that it’s painless.

Shit, rief...

Comments Off
Áthos

Áthos

Zwanzig. Zweitausend. Null. Zwanzig Klöster trägt der Berg. Zweitausend Mönche. Keine Frauen. Ein Mythos, beinah: Άγιον Όρος.
Wer in die Republik der Mönche will, darf das Meer nicht scheuen, an der Landgrenze steht Stacheldraht, der Heilige Berg schätzt Distanz. Kein Besucherpass für uns, freilich; eine Bootstour soll uns reichen.

Wolkenlos, heiß der Tag, als sich...

Comments Off
Kairo, Winter;

Kairo, Winter;

die Brotlaibe auf eine Stiege gehievt
zwischen zwei Motorradsitzen
in runden Mützen aufgegangnen Teigs
das erste Sonnenlicht verweilt,

Wärme, die sich wie das Nilwasser
umsonst verteilt. Hände strecken sich
am Imbissstand mit Wechselgeld nach
Brotmützen voll Humus, Bohnenmus, Ganoush,

als würde Manna dargereicht, doch vorerst
schwebt nur die bittre Würze des Benzins
über dem...

Comments Off
×