Sie sagen

Sie sagen

Sie sagen, dass der Schmerz erträglicher wird und die Leere. Dass die Ohnmacht schwinden wird wie Herbstnebel, der sich der Oktobersonne beugen muss. Dass es ein volles Jahr brauche, um den Verlust zu fassen. Ihn ertragen zu lernen. Ich lächle, wenn sie das sagen, denn sie meinen es gut mit mir.
Sie fühlen sich besser, wenn...

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Still sein

Still sein

Am Strand liegen, die Sonne auf der Haut spüren und den Wind in den Haaren. Aufs Meer schauen, das unter einem weiten Himmel döst und nichts denken, nichts müssen, nichts wollen. Die Seele in die Hängematte legen und ihr beim Schlafen zusehen.
Still sein.

Langsam atmen, langsamer noch als das Meer, und die Schaumkronen sehen, die weit...

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Kleine Freiheit Nummer 7

Kleine Freiheit Nummer 7

Der Fensterrahmen. Die Vorhänge offen. Blick hinaus. Das Haus gegenüber. Eine schmale Straße. Ein Mann steht im Bademantel auf dem Balkon. In der Kälte. Es schneit. Er öffnet den fasrigen Gürtel.

Schmutziges Weiß. Rote Streifen. Ein dreckiger alter Bademantel. Ein kräftiger nackter Mann. Das Gesicht liegt in Falten. Wie schwarze Striche quer durch. Er streckt die...

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Kurt

Kurt

Kurt zögerte. Er stand an der Tür, hielt den Griff schon in der Hand, der kalt war und abweisend. Hörte Schritte im Stiegenhaus, die rasch verhallten, und ein Kinderlachen, das die Stille aus den Ecken fegte. Hatte er das Fenster geschlossen?, fragte er sich. Er sah auf die Uhr. Auf seine Schuhe. Versuchte, sich zu...

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Überleben

Überleben

Mutter Anusch wird meine ganz persönliche Mutter Armenien – lebensklug, herzlich, eigen, gläubig, lebendig und stark. Anders als die bekannte Mutter Armenien, welche mit dem Schwert in der Hand wachsam von oben her auf die Stadt schaut, ob nun auf Jerewan oder auf Gjumri, wurde Anusch lange vor dem Zweiten Weltkrieg geboren. Mutter Anusch lebt.
Sie...

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