Posts by Manfred Lipp
Hybris

Hybris

Sahen wir also das Leid
Der andern
Dachten, es ginge uns nichts an
Wähnten uns sicher
Vor den Fangzähnen
Der Welt

So spielten wir mit Blut
Dem Blut der andern
Hielten das Rot an den Händen
Für Grau

Lachend liefen wir, tanzten auch
Auf die Klippen zu
Glaubten im Stürzen noch
Wir wären klug
Und auserwählt

...
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Filterkaffee

Filterkaffee

Steht sie also im Zimmer ihrer Jugendjahre, hört die Schritte, die sich nähern. Sie dreht sich um, sieht die Mutter, die durch die Tür tritt, sich an den Kopf fasst. Diese Augen, denkt sie. Sie suchen Halt und finden ihn nicht. Hast du hier geschlafen? fragt die Mutter, hält sich am Türstock fest. Nein, Mama,...

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Kavála

Kavála

Wir traten aus dem Tor, das zur Festung führte. Welchen Weg nehmen? fragten wir uns, sahen in die Gassen, die sich hangabwärts schoben. Ich biss mir auf die Lippe, legte den Kopf schief, zeigte nach rechts. Dorthin! sagte ich, ohne Überzeugung freilich. Ich schloss die Augen, musste niesen. Als ich aufsah, war da der Mann,...

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Wohin?

Wohin?

Ich schloss die Tür, trat in die Nacht, schritt durch die Dunkelheit, die schwer über den Gassen hing. Mich fror. In den Häusern der Nachbarschaft tanzte buntkaltes Licht. In einem Garten, rechter Hand, verbellte ein Hund den Mond, der fadgelb am Himmel stand. Im Rinnstein lag ein Feuerzeug. Ich schob den Kopf in den Nacken,...

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Du schläfst

Du schläfst

Mondlicht fällt ins Zimmer, liegt kalt auf deiner Haut. Du schläfst. Weit weg, scheint mir, bist du und liegst doch neben mir. Streckte ich meine Hand aus, ich könnte dein Gesicht berühren, dein Haar, deine Schulter. Einen Moment lang, dass ich es will, unbedingt, aber ich lasse es, habe Angst, dich zu wecken. Ich sehe...

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