Posts by Manfred Lipp
Brachland

Brachland

Fand sich am Wegrand ein steinernes Kreuz. Am Morgen, dass der Pflug darauf stieß, zur Mittagsstunde dann, dass die Menschen sich sammelten, die Zeichen besahen, die, von Flechten umrankt, auf dem Querbalken standen. Älter als die Zeit sei es, sagten die Narren und die Weisen, deuteten auf die Symbole, hoben den Finger, neigten den Kopf....

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Sprach-Los

Sprach-Los

Stieß ich die Tür zum Sprach-Raum auf. Wo seid ihr? rief ich, fordernd, drängend, sah weite Leere, nichts weiter. Verloren, hilflos, dass ich dastand, mit offenem Mund, in den Abgrund des Trivialen starrte. Mir schauderte. Wo seid ihr? rief ich abermals, sah rundum, entdeckte ein Fragezeichen, das mich mürrisch fixierte. Schrei nicht so, flüsterte es,...

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Dort vorn: hodie

Dort vorn: hodie

Vor mir die Straße, nasser Asphalt; strähnige Wolken, sich spiegelnd in öligen Pfützen. Dort vorn: ein Paar, das, Hand in Hand, die Fahrbahn quert, aufsieht, mir ein Zeichen gibt. Ich nicke, blicke zu Boden, sehe den Pinsel, der im Rinnstein liegt, die Risse im Asphalt, die Inlineskates an meinen Füßen. Wie neu wirken sie und...

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Áthos

Áthos

Zwanzig. Zweitausend. Null. Zwanzig Klöster trägt der Berg. Zweitausend Mönche. Keine Frauen. Ein Mythos, beinah: Άγιον Όρος.
Wer in die Republik der Mönche will, darf das Meer nicht scheuen, an der Landgrenze steht Stacheldraht, der Heilige Berg schätzt Distanz. Kein Besucherpass für uns, freilich; eine Bootstour soll uns reichen.

Wolkenlos, heiß der Tag, als sich das Schiff...

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Tacheles

Tacheles

Vielleicht irren sich die Ärzte, Großvater. –
Ich fürchte, das tun sie nicht, Manuel. Nicht in meinem Fall. –
Woher willst du das wissen? –
Sie haben mir die Bilder gezeigt. Ich habe kaum hingesehen. Aber in die Gesichter der Ärzte habe ich geschaut. –
Du bist stark, Großvater. –
Das wird sich ändern. Bald....

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